Weiß – hellste aller Farben und Heimat des Lichts

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Der Sommer ist vorbei. Die Tage werden kürzer, das Wetter kühler und der Wind fegt die Erinnerungen an Küsten, Wasser, Berge, Seen und die helle sonnenwarme Zeit über die Flure. Für Trübsal und schlechte Laune ist es aber noch zu früh, jetzt sind Leichtigkeit und Licht gefragt. Und die könnte die Farbe Weiß in Euren Alltag bringen.

Keine Farbe kann es mit dem Weiß aufnehmen. Mit zeitloser Eleganz werden Unschuld, Reinheit und Verlässlichkeit vermittelt. Vor allem aber ist die Farbe Weiß bei Unterwäschen und Dessous von konkurrenzloser Schönheit. Kein anderer Farbton kann Sauberkeit in allen seinen Facetten derart symbolisieren, von seinen Kontrastfähigkeiten ganz abgesehen. Dessous in Weiß sind trotzdem voll erotischem Reiz, sie wirken sexy, sie verführen und vermitteln gleichzeitig Makellosigkeit und Unberührtheit. Und weil Weiß zudem wie keine andere Farbe Licht reflektieren kann, greift zu weiß, jetzt wo die Tage wieder kürzer und das Licht weniger werden  – und trotzt dem Herbst.

weißes Licht
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Was ist Weiß?

Zunächst ist Weiß das Gegenteil von Schwarz. Während Schwarz die Abwesenheit von Farbe ist, sammeln sich im Weiß alle Farben des Lichts. Aus physikalischer Sicht ist Weiß also nicht das Fehlen sondern im Gegenteil die Anwesenheit von allem. Die hellste aller Farben ist deshalb so etwas wie die Heimat des Lichts. Aus ihr geht alles Sichtbare hervor.

Manchen mag Weiß kraftlos erscheinen, doch es ist eine zarte und leise Farbe. Sie wirkt aufmunternd und friedlich zugleich, sie ist ein Hauch, leicht immateriell und feinstofflich. Und, mit Weiß lassen sich alle anderen Farben aufhellen und bekommen dadurch eine ätherische Wirkung.

Was ist die Symbolik und Geschichte von Weiß?

Während die Wissenschaft in Bezug zu Weiß von einer „unbunten“ Farbe spricht, wird sie in der Symbolik von allem anderen getrennt. Weiß soll eben keine Farbe sein, sondern ein Zustand. Und zwar in unserer Kultur von Reinheit, Vollkommenheit und Licht.

Das weiße Ei, Ursymbolik der Farbe weiß
Das weiße Ei, Ursymbolik der weißen Farbe ©istockphoto/radiomarlena
Als eine Ursymbolik der weißen Farbe gilt das Ei, welches in seiner perfekten Form seit jeher für die Vollkommenheit der Schöpfung steht. Sowohl das Ei, als auch die Farbe Weiß symbolisieren den Anfang von Allem und die Entstehung der Welt und des Lebens. In den archaischen Traditionen waren Ei und Weiß Symbole der Fruchtbarkeit, für die Christen standen sie für Auferstehung und Erlösung. Sowohl im Ägypten der Pharaonen als auch im antiken Rom galt sie außerdem als Farbe, die Glück erzeugt und Freude bringt.
So erschien Europa Göttervater Zeus in Gestalt eines weißen Stiers und Leda in Gestalt eines weißen Schwans. Die Christen opferten weiße Lämmer, weil sie die Unschuld in sich trugen und im Mittelalter war es eine weiße Lilie, die auf Gemälden die unbefleckte Empfängnis Marias symbolisierte. Engel in schneeweißen Gewändern waren Träger spiritueller Vollkommenheit, und eine weiße Taube sollte den Frieden ebenso bringen, wie auf dem Schlachtfeld eine weiße Flagge.
 
Auch im fernen Osten spielt die weiße Farbe schon immer eine herausragende Rolle. Für Buddhisten ist die weiße Blüte des Lotos das Symbol des Eingangs ins Nirwana. Weiße Rinder sind heilig, weil sie reines Bewusstsein und Erleuchtung vermitteln. Und Priester tragen von der Antike bis in die Gegenwart – z.B. in Indien und Japan – weiße Gewänder.
 
LotusBlüte in der Farbe weiß
Weißer Lotos – das buddhistiche Symbol des Eingangs ins Nirwana. ©istockphoto/PongMoji

Da die Menschen alles weiße aber auch mit den Vorstellungen von Reinheit und Sauberkeit verbinden, ist in Hospitälern und Lebensmittelgeschäften die Arbeitskleidung weiß. Und weiße Anzüge sind in Hightech-Fabriken ebenso Pflicht, wie bei Kosmonauten auf Raumstationen.
Doch obwohl Weiß meist als etwas Großes und Erhabenes wahrgenommen wird, so verkörpert es auch einige negative Aspekte. Weil Weiß im Farbspektrum eine Sonderstellung einnimmt und als etwa Undefinierbares wahrgenommen wird, kann es auch Kälte, Leere und Künstlichkeit und damit Distanziertheit wie Einsamkeit vermitteln.

Was empfinden wir beim Anblick von Weiß?

Weiß reflektiert Licht. Wir assoziieren es also vor allem mit Helligkeit und Licht. Aber Weiß lässt uns auch an Strand und Wellenschaum denken. Wolken sind ebenso weiß wie Schnee und Eis. Kreide, Kalk und Marmor strahlen unter dem Licht der Sonne besonders. Diamanten und Kristalle glänzen weiß. Das Innere einer Muschel ist weiß und auch die Perle darin. Bringen wir Weiß mit Essen in Verbindung, denken wir sofort an Zucker, Salz, Mehl und Milch. Auch in der Natur stehen Märzenbecher, Schneeglöckchen, Seerose und Edelweiß für besonders zarte Gewächse.

schneeglöckchen im schnee weiß
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Muschel von innen mit Perlen in weiß
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Welche Rolle spielte Weiß in Mode und Architektur?

Zur Modefarbe der normalen Frauen wurde Weiß nach der französischen Revolution. Kleider aus hauchdünnen Stoffen in klassischen Schnitten orientierten sich an den Gewändern der antiken Göttinnen. Weiß, schlicht und erhaben, klassisch also, sollte zu dieser Zeit auch die Architektur sein. Farbenreichtum galt als primitiv. Schlichtes Weiß stand für sittliche Werte und geistige Größe. Weiß war lange Zeit die bestimmende Farbe der Frauenmode. Nachdem im 19. Jahrhundert einige Königinnen ganz in weiß geheiratet hatten, kam zu dieser Zeit auch die bis heute gebräuchliche Brautmode auf. Noch bis in das vergangene Jahrhundert hinein stand das Weiß in so hohem Maße für die Unschuld einer Frau, dass weiße Kleidung für eine schwangere oder geschiedene Frau als anstößig galt.

Wie wirkt die Farbe Weiß bei Unterwäsche und Dessous?

Bei Dessous scheint es eine eherne Regel zu sein: Schwarz wirkt verführerisch auf jeder Haut. Weiß tut das angeblich nicht, denn Weiß braucht den Kontrast zu andern Farben. Deshalb schrecken vor allem Frauen mit hellem Teint vor weißer Unterwäsche oft zurück. Doch macht Weiß die „hellen“ Damen wirklich nur blass?
In Wirklichkeit ist oftmals sogar das Gegenteil der Fall. Dessous in Weiß, Höschen, BHs, Strumpfbänder, Korsagen oder Mieder vermitteln den Eindruck von Feinstofflichkeit. Als wäre der Stoff über der Haut nur ein Hauch.
Zu dunkler Haut geht es beim Weiß eher um den Kontrast. Jede Farbe wirkt umso eindrucksvoller, je näher sie mit Weiß in Berührung kommt. Um seinen Sommerteint in den Herbst hinein zu retten, sind weiße Unterwäschen deshalb nicht die schlechteste Wahl.

Doch der wirklich reizvolle Kontrast entsteht bei weißen Dessous eben doch aus dem Spiel zwischen Unschuld und Verführung. Romantisch ist dabei weiße Spitze. Feine Höschen und elegante Korsagen wirken ebenso unaufdringlich wie ungeheuer sexy. Wer dann noch eine Verzierung aus glitzernden Kristallen oder dezent farbigen Schleifen ins Spiel bringt, wird sich über fehlende Aufregung nicht beklagen können.
Weiße Dessous und Spitzenunterwäsche haben also längst den Nimbus der Langweiligkeit abgelegt und sind nicht nur in einer Hochzeitsnacht gefragt. Vor allem jetzt, wo die Erinnerungen an den vergangenen Sommer zu verblassen beginnen.

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