Von Angora bis Kaschmir – Wollarten

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Mal abgesehen von Baumwolle, ähnlichen Erzeugnissen aus dem Holz einiger Bäume oder synthetischen Produkten gleichen Namens ist Wolle doch vor allem der Sammelbegriff jener Faser, die auf dem Körper von bestimmten Tieren wächst. Einige werden mit Wolle lediglich den kratzigen Pullover aus der Kindheit verbinden. Dabei hält die Familie der Wollgarderobe mittlerweile raffinierteste Strickwaren bereit. Ob Angora, Mohair oder Kaschmir – jedes Wollgewebe hat ganz unterschiedlichen Eigenschaften. Hier erfährst du alles über die unterschiedlichen Arten der Wolle:

Schurwolle

So wird die „klassische“ Wolle bezeichnet und natürlich ist damit Schafwolle – und zwar vom lebenden Tier – gemeint. Obwohl sie oft als „kratzig“ empfunden wird, ist sie ein kaum zu unterschätzendes Produkt der Natur und in Form von Kleidung seit Jahrtausenden ein treuer Begleiter des Menschen. Die Fasern der Schurwolle werden durch Schuppen besonders geschützt, können deshalb Luft konservieren und bieten daher eine außergewöhnlich gute Isolation gegen Kälte. Gut aufgenommen wird außerdem Feuchtigkeit in Form von Dampf. Deshalb sind Wollsocken so beliebt. Denn sie nehmen den Schweiß auf und lassen die Haut trocken. Wolle ist eigentlich sehr formbeständig und knittert wenig. Nur hohe Temperaturen – zum Beispiel beim Waschen in der Maschine – lässt sie „einschrumpfen“ und verfilzen. In unbearbeiteter Form ist sie außerdem ein beliebtes Ziel von Motten. Die heutige erhältliche Wolle ist häufig mit synthetischen Garnen versehen. Ihr Bestandteil muss ab einem Reinheitsgrad der Wolle unter 85 Prozent auf dem Etikett angeben werden. Gegen das in der Wolle enthaltene Lanolin (auch Wollfett genannt) sind manche Menschen allergisch. Pro Schur, die in der Regel einmal im Jahr zwischen April und Juni erfolgt, fallen bei einem normalen Schaf etwa 5 Kilogramm Wolle ab.

Lammwolle

Von Lammwolle spricht man, wenn das junge Schaf noch nicht älter als ein Jahr ist und vorher noch nicht geschoren wurde. Lammwolle oder auch Lambwool spendet das Schaf also nur einmal im Leben und entsprechend teuer ist das Garn auch. Diese „frische“ Wolle ist besonders weich, geschmeidig und elastisch aber auf der anderen Seite auch nicht so robust wie Schurwolle. Die besondere Weichheit der Lammwolle wird durch abgerundete Haarspitzen, die sogenannten „Lammspitzen“, ermöglicht.

Merino-Wolle

Das Merino-Schaf wurde von Mauren im 8. Jahrhundert nach Spanien eingeführt und nach einem Berber-Stamm benannt. Schon im Mittelalter galt die Merino-Wolle als besonders weich und wärmend. Das liegt an der Beschaffenheit der einzelnen Haare, die mit 16 bis 24 Mikrometern (ein tausendstel Millimeter) in etwa nur halb so dick sind wie die Haare des normalen Schafes. Besonders ist auch die starke Kräuselung – etwa 40 pro Quadratzentimeter – der Merino-Wolle. Durch sie entstehen außergewöhnlich viele „Luftkammern“, die die Körperwärme einschließen und zurückhalten. Umgedreht leitet Merinowolle auch den Schweiß besser ab als normale Wolle und ist deshalb vor allem bei Sportlern, Outdoor-Spezialisten und anderen Abenteurern äußerst beliebt. Ultrafeines Merino, mit einer Stärke von gerade mal 15,5 Mikrometern, gilt übrigens noch vor Kaschmir als die edelste Wolle der Welt.

Kaschmir-Wolle

Eine der edelsten Naturmaterialien überhaupt ist Kaschmirwolle. Sie stammt von einer Ziegenart, die vor allem in China, Pakistan, Nordindien und anderen Teilen des Himalaya-Gebirges gezüchtet wird. Dabei sollte man sich nicht vom bizarren Äußeren und dem langen und robusten Oberfell täuschen lassen, denn ihren Schatz trägt die Kaschmir-Ziege quasi darunter. Es ist das flaumige Haar in Hautnähe – nicht dicker als 19 Mikrometer -, was als Kaschmir auf der ganzen Welt bekannt ist. Oftmals als Königin unter den Wollfasern gerühmt, ist Kaschmir tatsächlich leichter, robuster, weicher und auch wärmeisolierender als normale Schurwolle. Allerdings ist sie auch deutlich seltener und schwieriger herzustellen. Für einen Pullover wird manchmal die Wolle von zwei Kaschmirziegen benötigt. Entsprechend hoch sind die Preise für solche Produkte.

Mohair-Wolle

Die Mohair-Wolle wird aus dem seidigen und gelockten Haar der Angora-Ziege gewonnen und ist eine der hochwertigsten Wollgarne überhaupt. Ursprünglich wurde diese Ziegenart in der Zentraltürkei domestiziert und danach bis nach Kalifornien und Südafrika exportiert. Am Kap der Guten Hoffnungen erwiesen sich die klimatischen Bedingungen für die Angora-Ziege als optimal, so dass heute ein Großteil der weltweiten Mohair-Wolle (15.000 Tonnen) aus dem südlichsten Land Afrikas kommt. Mohair-Wolle wird in drei Kategorien eingeteilt „Kid“ (Haardicke bis 29 Mikron), „Young Goat“ (30 – 33 Mikron) und „Adult“ (34 bis 40 Mikron). Die feineren Haare der jüngeren Ziegen werden dabei vorwiegend für Kleidung verwendet, während die dickeren Haare der alten Ziegen vor allem in Decken und Teppichen verarbeitet werden. Berühmt ist auch der sogenannte Mohair-Plüsch, aus welchem zum Beispiel Puppen oder Steiff-Teddybären gefertigt sind.

Angora-Wolle

Der Spender dieser Edelfaser ist das Angora-Kaninchen. Ursprünglich aus der gleichnamigen Region in der Zentraltürkei stammend, fand es vor etwa 300 Jahren auch seinen Weg in die nördlichen Teile Europas. Vor allem die Haarbüschel an den Ohren sind das Markenzeichen des Angorakaninchens geworden. Im Gegensatz zu anderen Wollfasern sind jene des Angorakaninchens innen hohl und können deshalb außergewöhnlich gut Wärme speichern. Zusätzlich kann Angora-Wolle Feuchtigkeit von bis zu 60 Prozent des Eigengewichts aufnehmen, was ungefähr der doppelten Menge anderer Wollsorten entspricht. Allerdings sind die hohlen Fasern der Angora-Wolle auch zerbrechlicher als normale Wollfasern. Um die Stoffstabilität zu verbessern, wird Angora deshalb oft mit Nylon vermischt. Die glatte Oberfläche und der schöne Glanz machen das Fell des „Seidenhasen“ (so eine frühere Bezeichnung) zu einem der beliebtesten Edelzwirne. Da Angorawolle außerdem eine heilende Wirkung, zum Beispiel bei Rheumaerkrankungen nachgesagt wird, kommt sie auch bei Gesundheitsbekleidung, Decken und Rücken- oder Lendenwärmern zum Einsatz. Direkt nach dem Kauf können Angorawollprodukte stark fusseln. Zwar legt sich das nach kurzer Zeit, aber für Babybekleidung sollte man sich aus diesem Grund trotzdem etwas anderes suchen.

Alpaka-Wolle

Die Wolle des Anden-Lamas zeichnet sich besonders durch ihren seidigen Glanz aus. Außerdem lädt sie sich nicht elektrostatisch auf und ist aufgrund des Fehlens von Lanolin (Wollfett) hypoallergen. Die Haare der feinsten Alpaka-Wolle ist nur 19 Mikron dick und kann es deshalb fast mit der Qualität von Kaschmir aufnehmen. Allerdings liefert ein Alpaka pro Jahr lediglich genug Wolle für einen einzigen Pullover. Und damit ist klar, dass auch die Preise von Alpaka-Wollprodukten in der Region von Kaschmir liegen. Im Gegensatz zu den meisten anderen natürlichen Wollfasern sind die des Alpakas in rund 60 verschiedene Farbnuancen zu bekommen.

 

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