Transparente Eleganz – Tüll, Chiffon, Organza

Transparente Eleganz - Tüll, Chiffon, Organza
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Stoffe, die entkleiden - Teil 1

Muss Stoff kleiden oder darf er auch enthüllen? Diese Frage beantworten Materialien, die nicht nur beim Schmetterlingefangen und Fischen angesagt sind. Mit Tüll und Chiffon, Netz und Mesh an Oberbekleidung oder Dessous fängt man zwar keine Tiere, dafür aber die Blicke der Bewunderer. Ein verführerisches Spiel mit den Phantasien beginnt. Viel Haut wird sichtbar, aber verraten wird trotzdem nicht alles. Bei Sunny Dessous erfährst Du in unserem ersten Teil zu transparenten Stoffen, was man über Tüll, Chiffon und Organza wissen sollte.

Tüll – es gibt noch was zu entdecken

Heute, wo alle auf Nacktheit setzen, um einen größtmöglichen Reiz zu setzen und das letzte noch verbliebene Provokationspotential freizulegen, ist nichts so sehr Retro wie Tüll. Wo alle anderen Stoffe so eng am Körper liegen, dass kaum noch Interpretationsspielraum bleibt, verhüllt Tüll bei aller Durchsicht, schafft Volumen ohne wirklich in den Vordergrund zu treten und verwischt darunter liegende Körperformen so sehr, dass man Lust bekommt, auf Entdeckungstour zu gehen. Ähnlich wie Korsetts oder Netzstrumpfhosen erlebt auch Tüll momentan eine kleine Renaissance. Junge Frauen scheinen sich an ihr Tutu als kleine Ballerina zu erinnern und bringen so eines der Symbole idealisierter Weiblichkeit zurück in die Modewelt. Auf dem stilbildenden Hipster und Instagram-Event Coachella ist bei den jungen Besucherinnen nichts so populär, wie Schichten transparenten Fummels über der sexy Unterwäsche zu tragen. Tüll ist eigentlich immer dabei. So wie Chiffon, auch die Königin der Stoffe genannt, die immer dann zum Einsatz kommt, wenn mit feinsten Dessous oder einem Negligé der weibliche Körper durchsichtig und verführerisch zugleich umspielt werden soll.

Das erste Tutu und Queen Victorias Brautschleier

Tüll ist tatsächlich einer jener Stoffe, bei denen man das Gefühl hat, er hätte eigentlich schon immer existiert. Eleganz, Leichtigkeit und damit auch Vergänglichkeit sind wichtige Bestandteile unseres Schönheitsbegriffes – und Tüll besitzt genau diese magischen Eigenschaften. Den seltsamen Namen verdankt Tüll der Stadt Tulle im Herzen Frankreichs. Hier, in einem der wichtigsten Zentren der Textilproduktion, wurde Ende des 17. Jahrhunderts ein bis dahin unbekanntes Gewebe entwickelt, das nicht nur unvergleichlich leicht sondern durch seine Netzstruktur auch nahezu durchsichtig war. Bis zum wirklichen Durchbruch des Tülls sollten aber noch knapp 150 Jahre vergehen. 1832 wurde erstmals ein Rock aus hauchdünnem Tüll für die Ballerina der Pariser Oper Marie Taglioni geschneidert. Bis heute ist das sogenannte „Tutu“ nicht mehr aus der Welt des Ballett wegzudenken.

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Das Tutu – nicht mehr aus der Welt des Ballett wegzudenken. ©pixabay/skeeze

Nur acht Jahre später entschied sich Queen Victoria für ein für damalige Verhältnisse exzentrisches Brautkleid mit viel Spitze und Tüll und sorgte dafür, dass danach der Tüll-Schleier zu einem Pflicht-Accessoire jeder Hochzeit wurde. Und auch für die intimen Stunden danach wurde Tüll zu einem unverzichtbaren Material. Denn schon bei den allerersten Dessous wurde mit Vorliebe der durchsichtige Tüll verarbeitet.

Hutnetze und ein legendäres Kleid von Grace Kelly

Ende des 19. Jahrhunderts, in der sogenannten Belle Epoque, wurde das durchsichtige, zart-netzartige Gewebe dann zu einem wichtigen Grundstoff für die allgegenwärtigen Hutnetze. Diese verschleierten bei vollem Durchblick die obere Gesichtshälfte der Damen und gaben darüber hinaus auch den bodenlangen Kleidern ihr imposantes Volumen. Was in dieser Zeit darunter getragen wurde, war sowieso zu großen Teilen aus Tüll, Chiffon und Organza (durchsichtiges Gewebe aus Filamentgarnen wie Organsinseide). 1954 machte dann Grace Kelly im Hitchcock-Klassiker „Das Fenster zum Hof“ ein wahres Kleid-Meisterwerk aus Chiffon und Tüll zu einem der berühmtesten Kostüme der Filmgeschichte. Tüll wird für die Kragen von Clowns und Pierrots eingesetzt und ist auch bei den aufwändigen Kleidern der Gothik-Szene eine unverzichtbares Element. Weil unvergleichlich dekorativ, wird es ähnlich wie Chiffon und Organza gern mit leichter zu tragenden aber unauffälligeren Stoffen kombiniert. Und bei Dessous haben einzelne, transparente Elemente einen unvergleichlichen Effekt.

Tüll – besonders pflegebedürftig

Das heutige Tüll besteht vor allem aus Wolle, Seide, Nylon und Polyester. Und ist dabei eine besonders empfindlicher Stoff, wenn es um die richtige Pflege geht.

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Ober- und Unterbekleidung aus Tüll oder mit Tüll-Elementen gibt man am besten in die Hände einer professionellen Reinigungsfirma. Ist die Verschmutzung nicht so groß, reicht es oftmals auch aus, das Bekleidungsstück ein paar Tage auslüften zu lassen. Sind die Tüll-Teile nicht zu kompliziert gearbeitet oder flächig zu groß, können sie auch bei 30 Grad in der Maschine gewaschen werden.

Chiffon – federleicht und „sandig“ im Griff

Die große Schwester des Tüll ist ein Stoff namens Chiffon. Aus dem französischen übersetzt heißt das eigentlich nur „Lappen“, lenkt aber von der eigentlichen Kostbarkeit dieses Materials ab. Denn Chiffon ist so edel, dass er für den Alltag fast zu schade ist.

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Dieses hauchzarte und schleierartige Gewebe aus stark gedrehten Baumwolle-, Seide- und heute auch Chemiegarnen hat bei einer großen Oberfläche ein selten geringes Gewicht und fällt deshalb – wirft man es in die Luft – so sanft und langsam zu Boden wie kein anderes Textil. Reibt man Chiffon zwischen den Fingern, fühlt es sich sandig an. Heute sind vor allem Kleider und Blusen aus Chiffon besonders populär. Auch wegen ihrer Durchsichtigkeit. Und was wären die verführerischsten Negligés und Lingerie-Teile ohne das besonders zarte Material. Ob als eng anliegende Korsage oder als durchsichtiges Babydoll-Kleidchen ist Chiffon ein unverzichtbarer Bestandteil der Damenunterwäsche geworden.

Chiffon vs Organza

Der dritte seidenartige Kreppstoff ist Organza. Gegenüber Chiffon ist Organza deutlich robuster, glänzt und „fließt“ nicht so schön wie Chiffon und besitzt deshalb auch nicht dessen feminines Flair. Deshalb wird Organza überall dort eingesetzt, wo das Aussehen von Seide aber auch ein bisschen Steifheit gefragt ist. Das ist vor allem bei robusteren Miedern und Korsagen sowie bei Brautkleidern der Fall.

 

 

 

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freier Journalist für die Berliner Zeitung, Mitteldeutsche Zeitung und das Sunny-Dessous Magazin

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