Terrakotta – „gebackene Erde“ voll im Trend

3 Olivenbäume in Terracotta-Töpfen
Olivenbäume in Terracotta-Töpfen ©istock/Mayabun
Diese erdigen und orange-roten Farbtöne sind so alt wie das Töpferhandwerk und beweisen Jahrzehnt für Jahrzehnt, dass sie ihre Relevanz - auch im Kleiderschrank - erfolgreich erneuern und dabei Aufrichtigkeit und Authentizität bewahren können.

Bei Instagram und Pinterest wurden in den vergangenen sechs Monaten doppelt so viele Bilder mit dem Suchbegriff „Terrakotta“ hochgeladen wie sonst üblich. Das weist auf eine steigende Popularität und auch auf einen Trend hin. Wir von SUNNY DESSOUS erklären, woher dieser ebenso alte wie seltsame Farbton kommt, wo er vorrangig eingesetzt wird und wie man ihn bei seinen Textilien am besten kombiniert.

In der riesigen Palette der Farben Gelb, Orange und Rot hat Terrakotta seinen festen Platz und ist einer der ältesten Farbklassiker der menschlichen Kulturgeschichte. Irgendwo zwischen verbranntem Orange und kalkigem Rot ist es im Sommer, was Braun im Winter ist: schick, erwachsen und modern. Unnachahmliches, organisches Terrakotta bezeichnet dabei nicht nur das Material, welches üblicherweise im Produkt- und Architekturdesign verwendet wird, sondern auch eine ganze Reihe erdiger Farbtöne. Aber fangen wir von vorn an:

DIE Farbe der mediterranen Welt

Der Anfang liegt in Europa am Mittelmeer in Griechenland und Italien, wo sich der eisenhaltige rote Ton oder der kalkhaltige gelbe Ton, aus dem das Terrakotta letztlich gebrannt wird, in großen Mengen findet. Siena-Terrakotta ist dabei etwas filigraner und nicht so Frost-resistent wie zum Beispiel das sogenannte Impruneta-Terrakotta, welches besonders reich an Kupfer-, Eisen- und Aluminiumoxiden ist. Dass Terrakotta tatsächlich einer der ältesten Werkstoffe der Kunstgeschichte ist, zeigen Funde aus der vorantiken minoischen Zeit. Sowohl in Griechenland als auch in Italien wurde Terrakotta über Jahrhunderte intensiv in der Architektur und in der Kunst eingesetzt.

Mediterrane Terrasse, Pflanzen und Terrakotta
Mediterrane Terrasse ©istock/Alex

Absolute Hochzeit des Terrakottas war die Renaissance. Nicht umsonst verbindet man diesen Farbton – verarbeitet auch in Dachziegeln und Bodenfließen – so sehr mit dem mediterranen Flair und dabei ganz speziell mit Gegenden wie der Toscana. Im 19. Jahrhundert, zu Zeiten des preußischen Architekten Karl Friedrich Schinkel, wurde in Berlin und Brandenburg intensiv versucht, die Antike wieder aufleben zu lassen. Backsteinarchitektur dekoriert mit Terrakotta-Elementen war dabei besonders populär.

Eine ganze Armee aus „gebackener Erde“

Terrakotta ist in seinem eigentlichen Sinne eine tonartige Keramik, die aus dem Backen von Terrakotta-Ton entsteht. Das Wort ist aus dem Italienischen abgeleitet und bedeutet dort nichts anderes als „gebackene Erde“. Terrakotta ist allerdings auch die Bezeichnung einer bestimmten Farbe, die eine meist rötlich-leuchtende Mischung aus den Farben Gelb, Orange, Rot und Braun darstellt. Um Terrakotta zu härten, muss es auf 1.000 bis 2.000 Grad Celsius erhitzt werden. Sobald es ausgehärtet ist, ist es noch etwas porös und kann von Wasser durchdrungen werden. Schon eine einfache Glasur kann Terrakotta jedoch wasserdicht machen. Terrakotta ist tatsächlich ein Dauerbrenner in der menschlichen Kulturgeschichte. Einer der Hauptgründe, warum Terrakotta in so vielen Formen weltweit vorkommt, ist, dass es buchstäblich überall zu finden ist und als der auf allen Kontinenten am häufigsten vorkommende Lehm gilt. Terrakotta ist normalerweise kein reiner Ton und wird mit anderen Mineralien und Flussmitteln sowie viel Eisenoxid vermischt. Bis zum 14. Jahrhundert war es das einzige Tonprodukt, welches überhaupt verwendet wurde. Archäologen haben Terrakotta-Skulpturen gefunden, die ungefähr 20.000 Jahre alt sind.

Terracotta-Armee
Terrakotta-Armee ©pixabay/PublicDomainPictures

Eine der spektakulärsten Terrakotta-Kreationen aller Zeiten ist natürlich die weltberühmte Terrakotta-Armee, die 210 vor unserer Zeitrechnung mit dem ersten Kaiser von China, Qin Shi Huang, vergraben wurden. Diese „Armee“ besteht aus über 8.000 Soldaten, 130 Streitwagen und 520 Pferden und wurde erst 1974 von chinesischen Bauern entdeckt. Der Kaiser glaubte, seine Terrakotta-Armee würde ihn auch im Jenseits vor seinen Feinden beschützen.

Terrakotta – die angesagte Textilfarbe

So alt wie Terrakotta ist, so authentisch und assoziationsreich ist dieser Farbton auch in der Fashionwelt. Dabei gibt es einige Kombinationen, die mit Terracotta unglaublich gut funktionieren. So kann ein eher „rostig“ wirkendes Terrakotta bevorzugt mit helleren Orangetönen kombiniert werden. Auch Schokoladenbraun oder Pastellrosa bringen Terrakotta besonders gut zur Geltung. Der perfekte Partner für Terrakotta ist übrigens Hellblau. Und Modedesigner schwören beim Einsatz dieses „rötlich-verbrannten“ Orangetones auf großzügigen Einsatz.

Alles, was zu kurz oder zu eng ist, scheint sich allerdings nachteilig auf diese Farbgebung auszuwirken. Was diese Farbe, die uns unwillkürlich an den Süden denken lässt, noch sehr gut zu „Gesicht steht“ ist Wildleder. Weiche und matte Oberflächen verwandeln alle Kleider und Accessoires in wahre Eye-Catcher. Besonders edel wirkt Terrakotta übrigens an Frauen und Männern mit dunklen Harren und braunen Augen. Helle Hauttypen und Blondinen hingegen können mit Terrakotta-Textilien im schlimmsten Fall etwas „grau“ aussehen.

Terrakotta-Figur
Terracotta-Büste ©pixabay/SallyC

Terrakotta ist modern und wärmt dabei

Das „rostige“ Orange ist 2018 auch in der Innenarchitektur eine der trendigsten Farben des Jahres, denn Terrakotta ist eine überaus gemütliche Farbe, die das Haus und die Wohnung mit wenigen Handgriffen zu erwärmen vermag. Dabei lässt sich die Farbe mit allen möglichen anderen Farben und Materialien kombinieren. Warme Töne und Holz wirken natürlich, aber auch Blau und Materialien wie Beton können einen interessanten Kontrasteffekt schaffen. Und Terrakotta lässt in uns eine große Bandbreite an Assoziationen entstehen. Sie reichen von Natur und Reisen, über Farben der Wüste, der Toskana oder sogar jener der berühmten afrikanischen Erde.

freier Journalist für die Berliner Zeitung, Mitteldeutsche Zeitung und das Sunny-Dessous Magazin

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