Silber – ein milder, hypnotischer Schimmer

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Physikalisch gesehen ist Silber gar keine richtige Farbe. Denn wie es sich unserem Auge offenbart, das hängt vor allem davon ab, auf welchem Material es erscheint und welches Licht darauf fällt. Es ist eines der ältesten bekannten Edelmetalle der Welt und seit jeher vor allem die Farbe des Mondes und der Weiblichkeit.

Es ist eines der ältesten bekannten Edelmetalle der Welt und seit jeher vor allem die Farbe des Mondes und der Weiblichkeit. Silber wird nicht nur eine besondere psychologische Wirkung, sondern auch eine heilende Kraft nachgesagt. Es kann Leichtigkeit und Klarheit vermitteln und der Legende nach sogar Dämonen vertreiben. Wer diese Farbe trägt, wirkt unschuldig, rein und wissend.

Keine Farbe, sondern nur Widerschein und Klang

Silber – das ist physikalisch gesehen gar keine richtige Farbe. Denn wie es sich unserem Auge offenbart, das hängt vor allem davon ab, auf welchem Material es erscheint und welches Licht darauf fällt. Auf Computer-Monitoren beispielsweise lässt sich Silber deshalb gar nicht darstellen. Definiert ist es dort als helles Grau und in der offiziellen Farbbezeichnung wird vom Metallic-Ton der grauen Farbe gesprochen. Für die menschlichen Sinne hat es trotzdem eine besondere Bedeutung.

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Silber – physikalisch gesehen gar keine richtige Farbe. ©istock/Brothers_Arts

Der Glanz dieses Edelmetalls wird seit Jahrhunderten besungen. Es sei der Schimmer, wenn Weiß zu Licht wird, wenn Licht auf Wasser tanzt und die Farbe, wenn Schwarz und Weiß zu glänzen beginnen. Nicht umsonst schwärzt sich Silber, wenn es oxydiert. Interessanterweise wird Silber auch mit einer besonderen Akustik verbunden. Vorzüglich erklingt der berühmte Silberklang. Tatsächlich ertönen Glocken und Blasinstrumente umso reiner, je größer der Anteil des Silbers in diesen Instrumenten ist. Orgelpfeifen bestehen dennoch gegen alle landläufige Meinung nicht aus Silber, sondern aus einem Zink-Blei-Gemisch. Die berühmten Silbermann-Orgeln haben daher ihren Namen auch nicht vom verarbeiteten Material, sondern von ihrem Erbauer, dem Sachsen Gottfried Silbermann.

Das Mondmetall – wertvoller als Gold

Die ersten Zeugnisse der Silberverarbeitung sind über 10.000 Jahre alt. In Ägypten war es als „Mondmetall“ begehrt und auch, weil es dort gar nicht vorkam, wertvoller als Gold. Nach den menschlichen Vorstellungen bestanden die Knochen der ägyptischen Götter aus reinem Silber und waren deshalb unzerstörbar. Die Entdeckung der neuen Welt durch Kolumbus ließ den Wert von Silber allerdings rapide schrumpfen. Zwar erhielt Argentinien (von lateinisch: argentus) seinen Namen in der Hoffnung, dort Silber zu finden. Doch vor allem die unversiegbar erscheinenden Vorkommen aus der legendären Mine von Potosí (Bolivien) überfluteten Europa. Heute ist das Verhältnis des Wertes zwischen Gold und Silber etwa 1:50 und erklärt auch, warum es ein Symbol des Nachgeordneten geworden ist. Zweitplatzierte erhalten die Silbermedaille und auch in der Lebensweisheit „Reden ist Silber, Schweigen ist Gold“ kommt das zum Ausdruck.

Silbern glänzt der Mond

In der Antike allerdings war Silber dem Gold auch in seiner Symbolik mehr als ebenbürtig. Seit den Sumerern war es mit dem Mond und damit dem Weiblichen in der Welt verbunden. Durch sein Zu- und Abnehmen ordnete der Mond die Zeit und auch deshalb war die silberne Selene, die griechischische Mondgöttin, Herrin über die Geburten, die durch ihre Vereinigung mit Helios dem Sonnengott ihre gebärende Kraft empfing.

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Silbern glänzender Tau, der in hellen Mondnächten besonders stark zu beobachten ist, wurde als Selenes (römisch: Luna) Milch betrachtet. Durch diese wächst nicht nur alles Lebendige, sondern auch Edelsteine und die Perlen in Muscheln. Nicht umsonst ist in der Hoffnung auf eine fruchtbare Ehe der Brautschmuck seit Jahrhunderten vorzugsweise aus Silber.

Reinheit, Klarheit, Hightech

In der Bibel werden die Worte der besonders edel Gesinnten mit „erlesenstem Silber“ gleichgesetzt. In der Verarbeitung im Feuer von den Schlacken geschieden, steht es für die Reinigung der Seele von allem, was nicht zu ihrem wahren Wesen gehört. Und in seiner feinen und kühlen Zurückhaltung wird es von uns auch heute noch als besonders glatt, edel und vor allem als Material des Hightech-Zeitalters empfunden. Gegenüber dem kräftigen und damit männlicherem Gold ist Silber eher eine zarte, leichte und damit weiblichere Farbe. Silber wirkt durch seinen milden Schimmer auf unsere Sinne harmonisierend und soll auch mediale und übersinnliche Energien freisetzen. Es ist feinstofflicher als Gold und steht damit auch für Empfindsamkeit, Freundlichkeit und Zärtlichkeit.

Heilende Kräfte und Schutz gegen Werwölfe und Vampire

Schon in der Antike wurde angenommen, dass Silber das Schädliche aus dem Körper ziehen und durch das Gute ersetzen kann. Tatsächlich besitzt das Metall eine antimikrobielle Wirkung und wird deshalb nicht nur in Millionen von Akkupunkturnadeln verarbeitet. Im Mittelalter wurden Silbermünzen in Wasser und Milch gelegt, um schädliche Keime fernzuhalten und silberhaltige Unterwäsche soll besonders wirksam gegen Neurodermitis sein. Es war wohl vor allem diesem Effekt geschuldet, warum Silber als einzigem Material die Macht zugesprochen wurde, das Böse fernzuhalten. Schätze wurden deshalb vorzugsweise in silbernen Truhen aufbewahrt. Und wie besiegt man bekanntermaßen Werwölfe und Vampire? Indem man ihnen eine aus Silber gegossene Kugel ins Herz jagt.

Silber – Tiernamen, Redewendungen und ein Jubiläum

Der Silberrücken ist als unangefochtener Chef einer Gorillaherde bekannt und auch ansonsten wimmelt es in der Flora und Fauna nur so von Silbernamen. Silberdistel, Silberpappel und Silberregen sind ebenso bekannt, wie der Silberfuchs und das nicht immer willkommene Silberfischchen. Wenn Hoffnung aufkommt, spricht man von einem Silberstreif am Horizont und wer sein Wertvollstes verkaufen muss, der veräußert damit sein Tafelsilber. Wer nicht ganz geradeaus gucken kann, der hat den berühmten Silberblick wer 25 Jahre verheiratet ist, der feiert die berühmte Silberhochzeit. Eine besondere Bedeutung kommt dem Glanz von Silber auch im menschlichen Alterungs- und Reifungsprozess zu. Schon seit dem Altertum wurden ergraute Haare bei gealterten Menschen als silbern wahrgenommen. Der berühmte Silberschopf war dort Ausdruck von besonderer Würde und Weisheit. Heute ist die „Generation Silber“ (wegen ihrer späten Hinwendung zum Internet auch Silversurfer genannt) eine besonders umworbene Werbegruppe.