Das ist Spitze – Wissenswertes zum zarten Gewebe

braut liegt lächelnd in spitzenstoff
©istockphoto/Staras
Was wäre unsere Welt ohne Zierrat. Gut, man kann es in seinem Leben auch halten wie die Bauhaus-Architekten Häuser entworfen haben. Schlicht, effizient, schnörkellos. Aber wer es anders mag, und den Stuck an der Decke seiner Wohnung zu schätzen weiß, der kommt auch in der Mode nicht ohne etwas aus, dass sich in den vergangenen zwei, drei Jahren wieder befreit hat aus einer langjährigen leichten Verachtung.

Von wegen zu bieder, zu altbacken, zu viel Firlefanz – die Rede ist von der höchsten Kunst des Nähens, Stickens, Klöppeln, Strickens, kurzum von der Spitze, die unserer Oberbekleidung das gewisse Extra verleiht. Darunter aber eigentlich nicht fehlen darf. Dessous ohne Spitze, das ist wie Häuser bauen ohne einen Hauch von verspielter Fantasie.

Spitze ist zurück

Keine zwei Jahre ist es her, 2015, da feierte die Spitze auf den Haute-Couture-Shows weltweit ein applaudiertes Comeback. Es gab kaum ein Designer-Stück zu sehen, das nicht auf irgendeine Weise mit Spitze versetzt war. Die Branche hatte sich erinnert. Daran, dass kein zweites textiles Accessoire einem Kleidungsstück so viel Durchlässigkeit, Eleganz, Leichtigkeit und vor allem Sex Appeal verleiht. Wer wüsste das nicht besser als Frauen, die bei ihren Dessous schon immer auf die kleinen auffälligen Details schwören, die jedes Höschen oder Strumpfband, jeden BH, jede Corsage in etwas Sinnliches verwandeln. Etwas für die Fingerspitzen, für das Auge – und für die Fantasie.

Dabei sieht alles so leicht aus an den Stoffrändern – und ist doch so aufwendig hergestellt. Spitze kann nicht jeder. Es ist eine seltene Kunstfertigkeit, aus Geweben Ornamente zu stechen, mit Nadel und Faden Blumen zu knoten oder auf Vorlagen Muster zu sticken. Auch wenn mittlerweile den Großteil der Fertigung Maschinen übernommen haben. Von der Reticella bis zu den Plauener Kunstwerken, die immer noch den alten Weltruf atmen, ist es ein langer Weg gewesen. Und es ist ein ebenso weites Feld, auf dem die Spitze zu verschiedenen Zeiten in verschiedenen Ländern ganz verschiedene Spielarten entwickelt hat. Welche, wann und wie zeigen wir euch im Folgenden.

Spitze – was ist das?

Das Wort Spitze stammt aus dem althochdeutschen spizza, spizzi und mitteldhochdeutsch spitze. Es bedeutet Garngeflecht oder „in Zacken auslaufende Borte“. Im Französischen sagt man dazu pointe oder dentelle, in Italien punto, in England lace.
Spitze ist ein Sammelbegriff für textile dekorative Elemente. In der „Enzyklopädie der Spitzentechniken“ von Friedrich Schöner heißt es: „Spitze ist ein flächiger textiler Gegenstand in Form eines Ornaments, dessen Wirkung auf dem Durchscheinen des Hintergrundes durch die sich zwischen den Musterformen befindenden Leerstellen beruht.” Kurzum, Spitze ist grob formuliert eine löchrige textile Fläche, die aus Mustern besteht. Spitze wird entweder nur aus Garn gefertigt oder aus Garn und Stoff. Ein nur mit einem Motiv bestickter Stoff ist keine Spitze.

Vintage Spitze
©istockphoto/Studio-Annika

Wofür wird Spitze verwendet?

Entstanden ist die Spitze aus der Borte, also der Stoffumrandung. Feines Gewebe hatte die Eigenschaft, sich an den Rändern zu wellen. Also brauchte es einen genähten Absatz. Gleiches galt für Tischtücher, Vorhänge und Gewänder. Nebenher hatten die Absätze den Vorteil, zum Beispiel Säume zu beschweren. Das ergab einen schönen Faltenwurf und verhindert, dass wie bei Gardinen und Vorhängen der Wind mit ihnen spielte.

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Heute wird Spitze immer noch als Randverzierung an Kleidungsstücken verwendet, allerdings weniger aus Nützlichkeitserwägungen, sondern viel mehr aus ästhetischen. Vor allem trifft das auf Dessous und Nachwäsche zu.
Neben der Abschlussverzierung gibt es übrigens auch noch so genannte „entre-deux-Spitzen“ als Einsatz zwischen zwei Stoffstücken, flächige Spitzenstoffe (sog. Plains) oder traditionelle Objektverzierungen (Tische, Fensterbänke) etwa wie die orientalischen Macramés.

Mit Nadel oder Klöppel

Die Geschichte der Spitze ist bunt, verwinkelt und eine lange Reise von hier nach dort und da. Man geht davon aus, dass die Spitze aus dem Orient nach Europa kam und ab dem 15. Jahrhundert vor allem zuerst in Italien und den Niederlanden nachgeahmt bzw. neu entwickelt wurde. Sie herzustellen war viele Jahrhunderte die Handarbeit schlechthin. Sie erforderte Zeit, Geduld, ein gutes Auge und eine sichere Hand. Entsprechend teuer sind die Spitzenprodukte gewesen. Unerschwinglich für alle Stände unterhalb des Adels. Wer damals also seinen Reichtum zeigen wollte, der tat dies mit Schmuck, mit Edelsteinen – und mit Spitze.

Natürlich versuchte man sich zu überbieten, noch filigraner, noch origineller zu arbeiten. Trotzdem lernten alle von allen, die Grenzen in Europa waren durchlässig. Sämtliche Spitzentechniken aufzuzählen, wäre daher eine enzyklopädische Aufgabe. Es soll deshalb an dieser Stelle reichen, die bekanntesten Spitzen bzw. Techniken vorzustellen und anschließend einen Einblick zu geben, welche Arten in der Dessous-Branche verwendet werden.

Echt oder unecht?

Gemeinhin wird unterschieden in echte und unechte Spitze. Echte Spitzen sind nur Nadelspitzen und Klöppelspitzen. Sie sind die ältesten ihrer Art. Ein Kriterium zur Unterscheidung ist also das Alter. Hin und wieder wird aber auch ein anderes Merkmal herangeführt, und zwar auf Grundlage der Frage, ob eine Technik allein dazu da ist, Spitze herzustellen. Darunter würde Klöppelspitze, Nadelspitze, Occhi und Bändchenspitze fallen. Oder ob sich mit ihr auch anderes herstellen lässt. Das trifft zu für das Häkeln, Stricken, die Makramee- und Filetspitze.

Echte Spitzen

Reticella-Spitze
Die Reticella-Spitze hat ihren Namen vom italienischen Wort für Netz, rete. Sie ist eine der ältesten Techniken und wurde im 16. Jahrhundert in Italien entwickelt. Reticella-Spitze entsteht aus einer Durchbrucharbeit. Dafür wird ein mehrschichtiges Leinen genommen und das Muster vorgearbeitet, indem man Fäden aus dem Gewebe zieht bzw. schneidet. Dadurch entstehen Stege und Poren, die anschließend umstickt werden. Zieht man nur die horizontalen Fäden (Schuss) oder die vertikalen Fäden (Kette) aus dem Gewebe, spricht man von einem einfachen Durchbruch. Zieht man beide aus, nennt man das doppelten Durchbruch. Entnimmt man derart viele Fäden, dass das Gewebe nur noch ein Hauch ist, wird das Punto in Aria (ital.: Luftstickerei) genannt. Da diese Stickerei ein Gewebe als haltende Struktur hat, ist sie eigentliche keine echte Spitze. Aber aus ihr entstand die Nadelspitze.

Nadelspitze
Die Nadelspitze gilt als die Mutter aller Spitzen-Techniken. Obwohl sie zum selben Zeitpunkt wie das Klöppeln entstanden ist. Bei der Nadelspitze arbeitet man ebenfalls auf einer festen Grundlage, Karton (oft mit Leinen verstärkt) oder Pergament. Darauf wird das Muster gezeichnet. Mit Hilfsstichen und Verbindungsfäden (Trassierfäden) wird ein Grundgitter geformt und dieses dann ausgestickt. Anschließend wird der Karton entfernt. Bekannte Nadelspitzen sind Point de Venise und Point d’Alençon.

Nadelspitze
Nadelspitze ©Youtube: Nodreva Georges/Les dentelles de Burano

Klöppelspitze
So alt wie die Nadelspitze ist die Klöppelspitze. Von der Technik her ist sie eine Mischung aus Weben und Flechten. Auf einer Grundlage, dem Klöppelkissen (flach vor allem in Frankreich und den Niederlanden, rundförmig speziell in Deutschland), wird der Klöppelbrief befestigt, das Muster. Auf diesem Muster werden mit Stecknadeln Fäden befestigt, die paarweise miteinander gekreuzt, verdreht, verwebt bzw. verflochten werden (Schläge genannt).

klöppelspitze
Klöppelspitze ©istockphoto/Lukasok

Diese Fäden sind auf Spulen aufgewickelt, den Klöppeln. Ist das Muster fertig, werden die Nadeln und der Brief entfernt. Bekannte Klöppelspitzen sind Mechelner, Brüsseler, Mailänder, Honiton, Duchesse, Valenciennes, Torchon, Schneeberger Spitze bzw. die Reliefspitze, die als hohe Kunst der Handklöppelspitze bezeichnet wird. Neben den Niederlanden, Frankreich und Italien gelten das Vogtland und das Erzgebirge als Kernregionen des Klöppelns.

Echte Filetspitze
Die Filetspitze gilt nur ihres Alters wegen als echte Spitze. Sie wurde vor allem im 16. Jahrhundert gefertigt. Eigentlich ist sie eine Stickerei. Bei der Filetspitze wird ein quadratisches Netz geknüpft, das dann kunstvoll bestickt wird.

Occhi-Spitze
Die Italiener sagen zu Auge occhi. Daher der Name dieser Spitze. Diese Technik wurde erst im 19. Jahrhundert entwickelt. Sie ist eine echte Spitze, weil sie keine Unterlage braucht. Auf einem Trägerfaden werden lauter Knoten gereiht, die dann zu einem Bogen oder Ring zusammen geführt werden, die die Form von Augen haben. Diese Technik wird auch frivolité genannt oder Schiffchenspitze, weil die Spule mit dem Faden sich in zwei daumenlangen gewölbten Platten befindet, die miteinander verbunden sind und so die Form einer Vagina bzw. eines Schiffsrumpfes ergeben. Diese Technik war zu ihrer Zeit reiner Alltagsvertreib vor allem von Frauen aus der Oberschicht.

Maschinen-Spitze
Eine weitere Technik, die heute von überragender Bedeutung ist, formt Spitze mit Hilfe von Maschinen. Diese Spitzen werden meist aber gewebt, sodass es sich nicht um wirkliche echte Spitze handelt. U.a. werden Bobinet-Spitzen, Häkelgalon-Spitzen und Raschelspitzen auf Maschinen gefertigt. Am ehesten noch aber kommen Maschinenklöppelspitze und Ätzspitze den handgefertigten Arbeiten nahe.

Maschinenspitze
Maschinenspitze ©istockphoto/fotocelia

Die Maschinen-Klöppelspitze wird nach einem ähnlichen Prinzip wie die Handklöppelspitze gearbeitet, nur das Brief und Nadel fehlen. Und die Klöppel von Spulen ersetzt werden. Beide sehen sich sehr ähnlich, manche Strukturen sind mit der Maschine aber nicht zu fertigen. Von ihr gibt es zahlreiche Sorten, von einfacher grober Torchon-Spitze bis zu feinster Chantilly. Bei der Ätzspitze (u.a. Guipure-Spitze genannt) werden die Muster und Ornamente auf ein Chemiefaser-Gewebe mit Baumwollfaden gestickt, das später im Aceton-Bad weggeätzt wird. Das Ergebnis sieht aus wie Klöppelspitze. Unter anderem wird die berühmte Plauener Spitze teilweise so gearbeitet.

Plauener Spitze

Plauener Spitze – das ist eine Geschichte für sich. Die Bezeichnung steht weniger für eine bestimmte Spitzenart, als für die Qualität, mit der in Plauen und im Vogtland vor allem im 19. Jahrhundert Spitze für den Welthandel hergestellt wurde. 1900 in Paris hatten Erzeugnisse aus Plauen für diese Qualität einen Grand Prix bekommen, der ihren späteren Ruhm begründete.

Was bis heute die wenigstens wissen, dieser Ruhm fußte auf einem abenteuerlichen Klau. Bis ins 17. Jahrhundert wurde im Erzgebirge und im benachbarten Vogtland Erz abgebaut. Als die Stollen versiegten, wendeten sich viele Bergleute und ihre Familien den textilen Handarbeiten zu. Im Erzgebirge wurde vor allem geklöppelt, im Vogtland gestickt. Um 1828 waren dort an die 2000 Menschen mit der professionellen Verzierung von Stoffen und Kleidungsstücken beschäftigt – allerdings von Hand, was ihre Produkte teuer und mit Aufkommen der ersten maschinell gefertigten Spitzen zu Ladenhütern machte.

Weltweite Nachfrage

Maschinen mussten also her. Selbst erfinden? Zu schwierig. Mehrere Versuche schlugen fehl. Abkaufen? Die Schweizer hatten bereits Maschinen, fürchteten aber um ihre Marktstellung. Sie gaben sie deshalb nicht her. Erst der Chemnitzer Student Albert Voigt hatte 1858 die Lösung parat. Er hatte in der Schweiz mit Stickmaschinen gearbeitet und bot seine Dienste dem Fabrikanten Fedor Schnorr an. In einer Nacht- und Nebelaktion brachten beide nicht nur zwei der begehrten Maschinen über die Grenze, sie schmuggelten gleich auch noch den Stickmeister Friedrich Roth samt seiner Familie nach Plauen.

Das war die Stunde null der Plauener Erfolgsgeschichte. Plauen lebte und atmete fortan Maschinenstickerei und Spitzenproduktion. Ein Vierteljahrhundert später wurde in 239 Unternehmen bereits 907 Maschinen betrieben. Auf die sprunghaft steigenden Produktionszahlen folgten die Erfindungen. 1881 gelang dem Plauener Thedor Bickel weltweit erstmalig die Herstellung gestickter Tüllspitze auf einer Handstickmaschine. Zwei Jahre später gingen die ersten Schiffchenstickmaschinen in Betrieb. Damit war es erstmals möglich, hochwertige Ätzspitze maschinell und damit kostengünstig herzustellen. Ab 1889 überstieg ihre Produktion die aller anderen Arten. Die Nachfrage war enorm. Unter den Bezeichnungen Dentelle de Saxe, Saxon Lace, Plauen Lace oder Dentelles de Plauen wurde sie weltbekannt.

Plötzlich altbacken

Mit dem Ruhm kam der Reichtum. Plauen platzte aus allen Nähten. Um die Jahrhundertwende wohnten über 100 000 Menschen in der Stadt und näheren Umgebung, mehr als in Erfurt zu jener Zeit. Darunter waren auch an die 150 Millionäre. Doch so schnell es in die Höhe ging, so tief war der Fall. Der 1. Weltkrieg stürzte die alte Welt ein, der zweite gab ihr den Rest. Dazwischen vollzog sich ein gravierender Wandel in der Mode: Die Spitze galt plötzlich als altbacken. Man war rationaler geworden, sachlicher im Gemüt und in seinen Vorlieben. Später setzte der Wandel auch in der Textilindustrie ein, sie wanderte ab. Heute ist Plauen immer noch für seine Spitze bekannt und berühmt, aber wie ehemals wird nicht mehr produziert. Gut 40 Unternehmen sind noch tätig.

Plauener Spitze
©Bundesarchiv, Bild 183-W1117-006 / Thieme, Wolfgang via Wikimedia Commons

Viele Plauenerspitzen verzieren auch heute noch Gardinen, Tischdecken, Fensterbilder – und natürlich Dessous. Damit stehen sie neben einer Handvoll weiterer Spitzen, die vor allem für Kleidung unten drunter verwendet werden. Und sie in den meisten Fällen erst zu dem machen, für was sie getragen werden. Nicht als Unter-, sondern als Reizwäsche.

Tüllspitze
Der Tüll an sich ist keine echte Spitze. Aber er entstammt der handgeklöppelten Spitze und ist quasi ihre maschinelle Fortschreibung. Und zwar als Fond, das heißt als Netzgrund, auf dem man die Spitze einsticken kann. Bei einem Tüllgeflecht wird eine Reihe Kettfäden (vertikal) von zwei bis vier schräg verlaufenden Schussfäden (horizontal) umschlungen. Daraus entstehen in dem Gewebe wabenförmige, rechteckige oder quadratische Öffnungen. Je nach Form der Wabe nennt man ihn Erbs-, Gitter- oder Twisttüll.

Echter Tüll wird mit Hilfe einer Bobinet-Maschine hergestellt. Ihr Erfinder ist der Engländer John Heathcoat. Seine Vorrichtung ahmt die Handbewegung der KlöpplerInnen nach. Heathcoat produzierte seinen ersten, glatten, ungemusterten Tüll 1808. Bis heute wird die beinahe unveränderte Bobinet-Maschine für die Herstellung von echtem Tüll und echter Tüllspitze verwendet, deshalb auch Bobinet-Spitze genannt.

Leavers Spitze (auch Calais Spitze)
Heathcoats Bobinet-Maschine wurde später von seinem Landsmann John Leavers weiterentwickelt. Leavers konnte auf seiner Maschine fabelhaft gemusterten Tüll imitieren. Bis zum Ausbruch des 1. Weltkriegs war Leavers Spitze marktführend. Ihren Ruhm hatte sie teils auch der französischen Spitzen-Metropole Calais zu verdanken, in der die gleichnamige Spitze auf Leavers-Maschinen gearbeitet wurde. Mit Leavers-Maschinen sind vor allem Spitzen-Muster mit Relief und Tiefenwirkung herstellbar.

Ätzspitze
Ätzspitze wird auch Guipure- oder Luftspitze genannt, d.h Spitze ohne Grund. Sie ist die Nachbildung einer Spitze durch Stickerei. Erstmals gelang ihre maschinelle Herstellung 1883 in St. Gallen (Schweiz) und in Plauen. Bei der Ätzspitze wird Stickgrund nach dem Besticken mit Aceton weggeätzt, sodass nur noch die Stickarbeit erhalten bleibt. Diese Spitze herzustellen, ist sehr aufwändig und dementsprechend teuer. Ein laufender Meter kann bis zu 200 Euro kosten. Dessous mit echter Guipure-Spitze sind deshalb keine Stangenware.

Dresdner Spitze
Dresdner Spitze ist keine eigene Art, noch eine eigene Technik. Sie wird auf Raschelmaschinen oder Jacquardmaschinen hergestellt. Ihren Ruf verdankt sie dem Standort Dresden, an dem 1884 die Kaufleute Georg Marwitz und Carl H. Siegel im Viertel Johannstadt die Dresdner Gardinen und Spitzen Manufaktur Aktiengesellschaft gründete, kurz Dregus. Sie starteten wie schon zuvor die Plauner ihr Geschäft, indem sie sich trotz Ausfuhrverbot zweier englischer Bobinetmaschinen bemächtigten. Dresdner Spitze ist sehr zart und leicht transparent, womit sie wie geschaffen ist, Dessous Sinnlichkeit und Sexiness zu verleihen.

Mäusezahnspitze
Diese Spitze hat ihre Bezeichnung von den Rändern der Borten, die aus feinen Bögen geformt sind und an Mäusezähnchen erinnern. Sie werden meist als Abschlüsse und weniger entre deux verwendet.

Häkelspitze
Häkelspitze wird wie der Name verrät gehäkelt. Sie ist eine echte Spitze, da sie ohne Unterlage frei in der Luft gefertigt wird. Dabei werden mit der Häkelnadeln Schlingen geformt und zu Mustern zusammengefügt. Berühmte Häkelspitze ist die irische und die aus Brügge.

Jacquard-Spitze
Jacquard-Spitze meint vornehmlich die, die auf einer Maschine ihres Erfinders Joseph-Marie Jacquard gearbeitet wurde. Diese ist eigentlich ein Webstuhl und wird in der Spitzen-Produktion eigentlich nur zur Unterstützung der Bobinet-Maschine verwendet. Jacquard-Spitze ist deshalb eine alte Bezeichnung für Maschinen-Spitze.

Valenciennes Spitze
Valenciennes Spitze ist eine Handklöppelspitze wie auch ihre berühmten Schwestern Mailänder, Brüsseler, Mechelner, Duchesse, Torchon oder Ragusa Spitze. Das verwendete Garn ist sehr feines Leinengarn, das zu verspielten Rokoko-Mustern zusammen gefügt wird. Sie ist aufwendig und gilt als sehr wertvoll.

Plumetis-Spitze
Plumetis-Spitze ist im engeren Sinne keine Spitze, sondern ein feines Gewebe mit Federstickerein, meist Pünktchen. Es ist sehr weich und wirkt gerade an Dessous aber auch Oberbekleidung äußerst weiblich und verführerisch. Das Gewebe ist oft durchscheinend.

St. Galler Spitze (auch Schweizer Spitze)
Spitze aus St. Gallen ist wie Plauener oder Dresdner Spitze vor allem der Hinweis auf den Herkunftsort, seine Berühmtheit und seine verbürgte Qualität. St. Gallen ist das Schweizer Zentrum der Stickerei-Produktion. Seinen Aufschwung hatte es vor allem der Erfindung von Handstickmaschinen zu verdanken. Bis 1910 wurden in der Region St. Gallen 50 Prozent des Weltbedarfs an Stickerei-Waren gedeckt, darunter natürlich auch der an Spitzen.

Italienische Spitze
Italienische Spitze ist weder eine bestimmte Technik, noch der Hinweis auf einen bestimmten Ort. Oder ob sie mit Hand oder Maschine gearbeitet wurde. Sie ist ein Sammelbegriff für Spitze aus einem der ersten europäischen Länder, in denen orientalische Spitze nachgeahmt und imitiert wurde. Ein Zentrum der Spitzenproduktion ist u.a die Stadt Mailand, aus die famose Mailänder Spitze, eine Handklöppelarbeit, stammt.

Ajour-Spitze
Ajour-Spitze leitet sich aus einem bestimmten Muster ab, dem Ajour-Muster, das gern zur Umrandung von Stoffen und Geweben oder Strickflächen verwendet wird. Das Wort „Ajour“ kommt aus dem Französischen und bedeutet so viel wie „Durchbruch“. Ajour-Muster sind feine Lochmuster die man u.a bei halterlosen Strümpfen findet.

Textronic-Spitze
Textronic-Spitze wird auf einer Multibar-Jacquard-Raschelmaschine mit Fallblech hergestellt. Das klingt nach Hightech, ist es auch, will aber lediglich sagen, dass in Kombination mit unterschiedlichen Garnen unterschiedlicher Stärke und Textur Spitzengewebe möglich sind, die sich augenfällig von anderen Maschinen-Spitzen unterscheiden. Sie haben nämlich einen 3-D-Charakter. Sprich, die Motive wirken wie Reliefs. Verstärkt wird der Eindruck noch durch die Verwendung von halbglänzenden bzw. hochglänzenden Materialien.

Eyelash-Spitze
Eyelash-Spitze ist eine Maschinenspitze, deren Gewebe und Stickereien so fein sind wie die Wimpern eines Auges (engl.: eye).

Chantilly-Spitze
Chanytilly-Spitze bezeichnet den Herkunftsort der Spitze. Meist ist die Spitze handgeklöppelt auf einem schwarzen Tüllgrund. Die Motive entstammen in der Regel dem Barock und Rokoko.

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