Bluesign: Umwelt- & Verbraucherschutz

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©Pixabay/skeeze

Bluesign® gehört zu den etablierten Gütesiegeln in der Textilindustrie. Es wird seit 2000 vergeben von der Bluesign Technologies AG mit Niederlassungen auch in Deutschland und dem Hauptsitz in Schweden. Im Zentrum der Siegel-Vergabe steht die Frage: Kann ich an einem Endprodukt erkennen, welche Chemikalien in den einzelnen Herstellungsprozessen verwendet wurden?

Die Antwort lautet: nicht unbedingt. Also kontrolliert bluesign® das Chemikalien-Management entlang der gesamten textilen Kette. Angefangen bei der Herstellung der Rohmaterialien bis hin zur oftmals ökologisch so bedenklichen Veredelung. Sprich: dem Säubern der Fasern, Färben, Bedrucken und Beschichten der Gewebe.

Dafür hat bluesign® Grenzwerte und No-Go-Listen für chemische Substanzen entwickelt, die unter www.bluesign.com dokumentiert sind. Ziel ist es, laut bluesign®, „dass umwelt- und Gesundheitsgefährdende Substanzen gar nicht erst Eingang in den Fertigungszyklus finden, sondern schon zuvor vermieden werden.“ Zusätzlich kontrolliert bluesign® die Fertigungsprozesse auf Energie-Effizienz und Ressourcenschonung, sauberes Abwasser und schadstofffreie Abluft.

Diese sind aufgeführt unter den fünf bluesign®-Prinzipien:

  • Ressourcenproduktivität
  • Verbraucherschutz
  • Gewässerschutz
  • Immissionsschutz
  • Arbeitssicherheit

Hinzu kommen u.a. die folgenden sogenannte bluesign® criteria:

  • Kriterien für die Zutaten (Chemikalien)
  • Kriterien für Fertigungsprozesse (u.a. Technologien)
  • Kriterien für Endprodukte (Test von Grenzwerten)

 

bluesign® approved – das Siegel für Substanzen und Komponenten (Business)

 Bluesign approved – das Siegel für Substanzen
© bluesign® technologies ag

Mit diesem Siegel zertifiziert das Schweizer Unternehmen die Umweltfreundlichkeit der eingesetzten Chemikalien. Es prüft die Einhaltung der Grenzwerte einer Substanz. Und es prüft ihr Umweltschädliches Potenzial entlang der gesamten Fertigungskette.

 

bluesign product® – das Siegel für Verbraucherprodukte (Consumer)

Bluesign product – die 100-prozentige Garantie
© bluesign® technologies ag

Es geht natürlich auch, sämtliche Materialien von Bluesign-zertifzierten Unternehmen zu beziehen. In diesem Fall gibt es seit 2010 das bluesign-product-Siegel.

 

 

bluesign® – Für und Wider

Das Label ist verlässlich, es garantiert die Einhaltung von gesetzlichen Grenzwerten und darüber hinaus. Aber es garantiert nicht die absolute Schadstoff-Freiheit eines Endproduktes. Die Grenzwerte sind nach BAT (best available technique) jedoch nicht immer so streng gezogen, wie es Umweltorganisationen verlangen.

Es ist ein Dauerstreit innerhalb der Öko-Siegel-Branche – und vielen Kritikern gehen die Reglementierungen von Labels wie Öko-Tex oder bluesign® nicht weit genug. Greenpace vor allem lobte zwar in einer Untersuchung Mai 2016 die Anstrengungen der Schweizer, den Einsatz von giftigen Chemikalien im gesamten Herstellungsprozeß zu minimieren, aber die Anstrengungen gingen den Umweltschützern nicht weit genug. So monierten sie an bluesign®, dass es auch Produkte der Outdoor-Branche zertifiziert, die per- und polyfluorierte Chemikalien (PFC) enthalten. Diese aber hielt Greenpeace für regelrechte Umweltkiller, da sie nicht in der Natur vorkommen, somit nicht abgebaut werden und nachweislich Menschen schädigen.

Mittlerweile aber hat Greenpeace seine Kritik an blueseign® deutlich abgeschwächt. Die Umweltorganisation räumte ein, dass gewisse PFCs verwendet werden können, eben jene, die bluesign® in seinen Kriterien drin hat. Die weiteren von Greenpeace bemängelten, finden sich ebenfalls seit 2005 in den Kriterien und wurdenvon bluesign® in einer Übergangszeit bis 2015 einem Phase-out unterzogen. Bluesign® hat auf die Kritik an seinen angeblich unzureichenden Nogo’s mit dem Hinweis reagiert, dass in der Textilindustrie nur geringe Mengen an PFCs verwendet werden, die größeren Mengen würden in anderen Industriezweigen wie in der Metallbranche, dem Flugzeug- und Fahrzeugbau und der Medizinaltechnik verarbeitet.

Bluesign®-Kontrollen beziehen sich hauptsächlich auf Prozesse, Chemikalien und Technologien. Ökofaire und soziale Aspekte wie Handel und Löhne, Arbeitnehmerrechte und Verbot von Kinderarbeit werden von ihr nicht berücksichtigt, sind aber Voraussetzung, um ein bluesign®-Siegel zu bekommen.

bluesign® und Dessous

Es wird. Langsam zwar, aber die Dessous-Branche öffnet sich peu a peu den Anforderungen an eine nachhaltige Produktion von Unterwäsche. Von „grün“ zu sprechen, wäre allerdings verfrüht. Nur wenige Marken sind aktuell bereit, sich Standards wie denen von bluesign® oder Öko-Tex zu unterwerfen und giftige Chemikalien aus den Herstellungsprozessen zu verbannen, bzw. ihren Einsatz unter die Grenzwerte zu drücken.
Eine der Weltmarken, die das bluesign®-system verwendet, ist Mey. Das betrifft freilich nicht alle Segmente des Unterwäsche-Herstellers, immerhin aber bietet Mey eine bluesign®-Kollektion an, die unter den Standards des Gütesiegels produziert wird.
Ebenfalls bluesign®-Partner ist Wolford. Die österreichische Marke arbeitet seit Mai 2015 mit den Gütesigel-Nachbarn zusammen.

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