Blau – kühl wie Eis und friedlich wie der Himmel

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Königsblau, Türkis, Himmelblau oder Cyanblau – die Variationen sind so vielfältig und komplex wie bei keiner anderen Farbe. Mit seinen verführerischen Schattierungen und ruhigen Tiefen wurde diese intensive Farbe über die Jahrhunderte immer mehr zum Liebling der Menschen.

Der Winter, so heißt es, nimmt den Landschaften ihre Farben. Wärme und Energie lassen nun nach, und es ist Zeit für die einzige der Primärfarben, die im kühlen Spektrum existiert – Blau. Was sich jetzt ausbreitet ist Ruhe. Konfrontation und Chaos werden zurückgelassen und ein starkes Gefühl von Zuverlässigkeit, Vertrauen und Weisheit übernimmt die Macht. Wer jetzt auf blaue Dessous setzt, wirkt ausgeglichen und zuverlässig, bietet dort Beständigkeit, wo gestern noch Aufregung war. Doch Blau ist nicht gleich Blau, sondern besticht durch seine vielfältigen Spektren. Es steht für Adel, Pracht und Heiligkeit. In Ägypten ist ein blauer BH sogar zum Symbol der Emanzipation geworden.

Der Blutdruck sinkt – Frieden zieht ein

Königsblau, Türkis, Himmelblau oder Cyanblau – die Variationen sind so vielfältig und komplex wie bei keiner anderen Farbe. Doch es ist vor allem der Himmel und seine Spiegelung im Wasser, mit der wir Blau zuallererst in Verbindung bringen. Ein Gefühl von Klarheit, Sehnsucht und Ferne stellt sich ein. Das Blau des Himmels beruhigt und entspannt. Ist das Blau dunkel, zeigt es uns Vertrauen, Würde und Autorität. Offenbart es sich in einer helleren Form, genießen wir seine kühle, ruhige und stille Ausstrahlung.

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Nicht umsonst wird Blau von allen Farben am häufigsten von Banken und für Corporate Identity verwendet, steht es doch genauso für Ehrlichkeit und Vertrauenswürdigkeit. Allen anderen Farben muss Blau hinzugefügt werden, um ihre Wärme und Energie zu verringern und ihre Gelassenheit zu erhöhen. So ist Blau vor allem eine beruhigende Farbe mit vielfältigen Einflüssen, von Kreativität und Freiheit bis hin zu Sicherheit und Vertrauen. Blau wirkt – verglichen mit dem Feuer und der Intensität von Rot – auf unsere Sinne kühlend und verlangsamend. Wir sehen blau und der Blutdruck sinkt. Aufgeregtheit und Nervosität verschwinden und an ihre Stelle treten Kommunikation, Konzentration und Sachlichkeit.

Lieblingsfarbe der Menschen – Inspiration für Maler und Dichter

Im antiken Griechenland war Blau so selten und schwer herzustellen, dass Homer diese Farbe in seinen Werken nicht ein einziges Mal erwähnte. Doch mit seinen verführerischen Schattierungen und ruhigen Tiefen wurde diese intensive Farbe über die Jahrhunderte immer mehr zum Liebling der Menschen. Schriftsteller, Maler und Musiker wurden durch Blau zu ihren besten Werken inspiriert. Der deutsche Dichter Novalis erklärte die blaue Blume zum zentralen Symbol der Romantik.

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Die blaue Blume steht für Liebe und Sehnsucht und ist ein zentrales Symbol in der Romantik ©pixabay/lizboo

Picasso hatte ebenso seine blaue Phase, wie Joan Miró. Und Wassily Kandinsky, der wichtigste Maler der Künstlerbewegung „Blauer Reiter“, stellte begeistert fest: „Je tiefer das Blau wird, desto mehr ruft es den Menschen in das Unendliche, weckt in ihm die Sehnsucht nach Reinem und schließlich Übersinnlichem.“ Davon konnten auch Musiker, von Elvis Presley bis Madonna, ein Lied singen. Heino schmetterte zwar auch auf deutsch „Ja, ja, so blau, blau, blau blüht der Enzian“, doch „Blue“ ist vor allem in einigen der wohl berühmtesten englischen Songs das zentrale Element. Bobby Vinton sang vom „Blue Velvet“, Roy Orbison vom „Blue Bayou“ und Bob Dylan stellte ernüchtert fest: „It´s All Over Now, Baby Blue“. Dabei ist allerdings festzustellen, dass „Blue“ vor allem in der amerikanischen Kultur für ein schwermütiges und depressives Gefühl steht und sich daraus auch die Musikrichtung „Blues“ ableitet.

Blau – die Farbe der Könige

Tatsächlich gibt es in der Pflanzenwelt nur wenige Blumen, mit blauen Blüten und auch nur wenig blaues Obst und Gemüse. Himmel und Meer sind zwar blau, aber die Farbe lässt sich nicht wirklich „berühren“, denn aus der Nähe betrachtet, sind Wasser und Luft farblos. Umso kostbarer war die blaue Farbe in den verschiedensten Kulturen. Ursprünglich aus dem Halbedelstein Lapislazuli gefertigt, war Blau für Jahrhunderte die seltenste und teuerste Farbe, und dabei buchstäblich Gold wert. Ägyptischblau, das älteste synthetische Pigment der Menschheit, war die bevorzugte Farbe der Pharaonen und schmückte Kronen, Totenmasken und die Mauern der bedeutendsten Tempel. Spätestens ab dem Mittelalter war Blau dann auch die königliche Farbe an den europäischen Höfen. Während der Herrschaft von Englands Königin Elisabeth I. (1558 bis 1603) durfte nur der Hochadel die begehrte Farbe in seiner Kleidung tragen. Blau wurde zu dieser Zeit aus Indigo hergestellt und aus Indien importiert. „Blaublütig“ wird der Adel übrigens in ganz Europa aus einem anderen Grund genannt. Von der Sonne gebräunte Haut war in der Oberschicht lange Zeit verpönt. Und unter vornehmer Blässe war das Blau der Adern umso deutlicher zu sehen.

Transzendenz, Geheimnis, Göttlichkeit

In der christlichen Ikonographie ist die heilige Jungfrau Maria ausnahmslos in blauen Gewändern zu sehen und symbolisiert damit die Vermittlerrolle zwischen Irdischem und Göttlichem. Der hinduistische Gott Krishna hat blaue Haut und der „blaue Buddha“ ist vor allem im tibetischen und japanischen Buddhismus für die Heilung aller Krankheiten verantwortlich.

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Jungfrau Maria in blauen Gewändern als symbol für die Vermittlerrolle zwischen Irdischem und Göttlichem. ©pixabay/pixel2013
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Hinduistischer Gott Krishna mit blaue Haut ©pixabay/sebpowen

Besondere Bedeutung hat die Farbe Blau auch in der jüdischen Religion. Der Davidstern in der israelischen Flagge ist blau und die ursprünglich blauen, an Gebetsmänteln und Hosen befestigten Schaufäden – Zizit genannt – sollen den Gläubigen an Himmel, Ozean und damit stets auch an den saphirblauen Thron Gottes erinnern. Überhaupt sind es vor allem blaue Edelsteine, welchen die größte spirituelle Wirkung zugesprochen wird. Türkis war in der ägyptischen und persische Kultur heilig, wo er vor allem mit großer Reinheit in Verbindung gebracht wurde. Die amerikanischen Indianer sahen in ihm einen Beschützer von Körper und Seele, und die Zigeuner tragen Türkissteine in ihren Bauchnabeln und glauben dabei, dass er für ziemlich alles gut ist. In der islamischen Welt wie auch in Griechenland kann ein blauer Stein den bösen Blick abwenden. Und wer hat wohl nicht den großen blauen Diamanten namens „Herz des Ozeans“ vor Augen, wenn er sich an Kate Winslet und Leonardo di Caprio im Film „Titanic“ erinnert?

Blaue Dessous – die perfekt Balance

Menschen, die ungern blau tragen, soll es an innerer Ruhe fehlen, behaupten Psychologen. Wenn das wahr ist, wird es Zeit, mit blauen Dessous die richtigen Signale zu senden. Mit einer hellblauen Unterwäsche lässt sich die zärtliche und verträumte Seite unterstreichen. Wer sich für Himmelblau entscheidet, reizt mit seinem flinken Verstand und seinem kommunikativen Wesen und vermittelt Leichtigkeit und Jugend. Oder wie wärs mit edlem Marineblau? Damit geht es nicht um Effekthascherei, sondern um klassisch zeitlose Eleganz und solide Autorität. Am Ende gibt es sogar das richtige Blau für die Kühnen und Abenteuerlustigen. Königsblau ist etwas für die Extravaganten, die ihrer Reizwäsche das gewisse Etwas verpassen wollen.

Der blaue BH – ein Symbol der Emanzipation

Es war ein Bild, das um die Welt ging: Während der ägyptischen Revolution 2012 schleiften Soldaten eine Aktivistin über den Boden, rissen ihr dabei die Kleider vom Leib, bis auf ihren blauen BH. Das Bild ist längst zu einer Ikone der Frauenbewegung in Arabien geworden. Als Graffiti ziert der blaue BH mittlerweile zahllose Wände und hat der komplexen und tiefsinnigen Bedeutung der Farbe Blau eine weitere Nuance verliehen.

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