Kult-Stoff Cord – schon wieder voll in Mode

Cordhemd
©istock/Tarzhanova
Es gibt wohl kaum einen Stoff, der so schnell in und aus der Mode gerät wie Cord. Im vergangenen Jahrhundert schwamm wirklich jede Dekade für wenigstens zwei, drei Jahre auf einer Cord-Welle - um den Stoff gleich danach wieder voller Abscheu aus den Kleiderregalen zu verbannen.

In diesem Herbst feiert dieser ebenso robuste wie wärmende Stoff nun ein weiteres Comeback. Und wir von SUNNY DESSOUS erklären deshalb hier alles, was MANN oder FRAU über Cord wissen muss.

Dass Cord der ultimative Stoff ist, der immer in Mode zu sein scheint (oder sich wenigstens im Dauer-Comeback-Modus befindet), beweisen Zitate aus Modezeitschriften seit den 1950er Jahren. So heißt es dort zum Beispiel 1952: „Eines der neuen Gesichter der Modeszene in dieser Saison ist Cord. Obwohl es sich bei dieser Baumwolle um einen traditionellen Klassiker handelt, sorgen neue Verarbeitungen dafür, dass sie das Leben neu genießen können.“ Oder 1994: „Es ist ganz wunderbar. Die Leute scheinen verrückt nach Cordhosen und -jacken zu sein. Sogar die Aufnäher an den Ellenbogen sind wieder in.“

Und letztlich schon im neuen Jahrtausend 2002: „Die königlichen Wurzeln des Materials mögen in Frage stehen, aber es gibt keinen Zweifel darüber, dass Cord gerade ein großes Comeback feiert“. Und nun im Herbst 2018 ist Cord mal wieder in aller Munde. Ob Jacken, Röcke oder ganze Anzüge – der Stoff im ewigen Vintage-Stil befindet sich im Aufschwung und flutet gerade jeden Online-Shop. Cord ist jetzt einer der besten Stoffe gegen die Kälte, da das dichte Gewebe den Wind abhält. Und es ist wohl überhaupt DIE Alternative zur Jeans.

 

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Was ist Cord? Und was ist Wal?

Cord oder auch Kord oder im Englischen Corduroy ist ein Gewebe mit samtähnlichen Rippen in Längsrichtung. Der sich sehr weich anfühlende Flor hat beim Cord eine Strichrichtung, das heißt er sieht mit oder gegen den Strich anders aus und fühlt sich auch anders an. Cordstoffe werden nach der Zahl der Rippen pro zehn Zentimeter Stoff unterschieden. Je weniger Rippen, desto mehr „Wal“ hat der Cord. Wenn sich lediglich zehn Rippen auf zehn Zentimeter Cord befinden, spricht man vom Kabelcord, bei zehn bis 25 Rippen heißt es Trenkercord (von Bergsteigerlegende Luis Trenker), bei 25 bis 40 Rippen Genuacord oder Manchestercord und bei mehr als 40 Rippen Babycord oder Feincord.
Sind die Rippen irgendwann auf die so typische Art und Weise verschlissen, spricht man vom sogenannten Antikcord. Cord besteht normalerweise zu 80 bis 90 Prozent aus Baumwolle und zehn bis 20 Prozent aus Polyester. Beim modernen Stretchcord liegt der Baumwollanteil bei 95 Prozent, der Rest ist Elastan. Cord wurde im Laufe der Jahrhunderte vor allem für Arbeits- und Sportbekleidung von Männern verwendet. Moderne Anwendungen umfassen Hosen, Hemden, Röcke, Anzüge, Mützen, Kleider, Jacken, Spielzeuge und weiche Möbel. Der Charakter des Cords hat sich seit dem späten 18. Jahrhundert dabei nicht mehr wesentlich verändert.

Von Ägypten über die „Kordel des Königs“ bis zu Woody Allan

Im Laufe der Jahrhunderte ist eine lange Liste großer Cord-Fans entstanden. Der englische Edelräuber Dick Turpin soll auf seinen Wunsch hin in Cord hingerichtet worden sein. Steve McQueen liebte den Stoff ebenso wie Komiker Woody Allan. Das Cord der eher langweiligen College-Professoren ist fast schon Folklore. Aber auch Nonkonformisten wie Beatpoeten und Grunge-Musiker liebten das gerippte Material. Um allerdings den legendärsten Cord-Fan zu finden, braucht man nur einen Blick auf das Material zu werfen.
Wie die Legende sagt, stammt das Wort Cord aus dem französischen „corde du roi“, was ungefähr soviel heißt wie „die Kordel des Königs“. Ob das wirklich wahr ist, lässt sich heute kaum noch beweisen, aber außer Frage steht, dass die französische und die englische Aristokratie des 17. und 18. Jahrhunderts ihre dicke Cordhose wirklich liebte. Dabei reicht die eigentliche Geschichte des Cord noch ein paar Jahrhunderte weiter zurück.

 

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Fustian – das sprichwörtliche Kostüm der englischen Arbeiterklasse

Bevor Kairo im 12. Jahrhundert Hauptstadt Ägyptens wurde, hatte diese Position über dreihundert Jahre ein Ort namens Al-Fustat inne. Al-Fustat war so reich, dass der oberste politische Beamte entschied die Stadt zu verbrennen, damit ihr unermesslicher Reichtum nicht in die Hände der Kreuzfahrer geriet. Wie sich herausstellte, war das größte Vermächtnis dieser Stadt ein neuartiger Stoff aus schwerem Tuch, der gut für robuste Oberbekleidung zu sein schien und der in Europa schon bald unter dem Name „Fustian“ Karriere machte. Vom 14. bis 16. Jahrhundert findet „Fustian“ über Italien seinen Weg nach Nordeuropa, wo es 1776 erstmals als „Corduroy“ in den Chroniken auftaucht.

Im England des 18. Jahrhunderts wird das Tuch als moderne, praktische Variante für Outdoor-Textilien hergestellt. Es ist warm, trocknet schnell und ist strapazierfähig. Und genau deshalb wird es schnell auch zum Outfit der englischen Arbeiterklasse. 1844 stellte der deutsche Philosoph Friedrich Engels in einer Betrachtung der britischen Ökonomie fest: „Die Männer tragen hauptsächlich Hosen, Jacken und Mäntel aus Fustian oder anderen schweren Baumwollstoffen. Fustian ist überhaupt das sprichwörtliche Kostüm der Arbeiter geworden, die sich als Fustian-Jacken bezeichnen und sich so von der Schurwolle tragenden Mittel- und Oberschicht abgrenzt.“ Die neue Cord-Kleidung konnte einiges „vertragen“ und war so weit langlebiger als andere Textilien.

 

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Cord – der Renner des 20. Jahrhunderts

Im frühen 20. Jahrhundert wurde Cord dann zunächst als Kinder-Textil populär und sowohl in Schul- als auch Pfadfinderuniformen verarbeitet. Auch das Militär begann sich für den robusten Stoff zu interessieren. Soldaten trugen Cord im 1. Weltkrieg durch halb Europa und auch Bergsteiger und Autofahrer wollten vom Cord nicht mehr lassen. Nicht umsonst trägt eine Cordart bis heute den Namen der Bergsteiger-Legende Luis Trenker. 1918 verwendet das nagelneue T-Modell der amerikanischen Automarke Ford erstmals ebenso strapazierfähigen wie luxuriösen Cord als Polsterung für diesen Wagen.

In den 1920er und 30er Jahre wurde Cord dann endlich Mode. Anzüge, Hosen, Mützen und Jacken wurden nicht nur als Arbeitskleidung, sondern als praktisches Textil für die moderne, sportliche Zeit getragen. Spätestens ab 1950 wird Cord von Jung und Alt, Arm und Reich geliebt. Warum? Weil es gleichzeitig luxuriös und funktional ist. Es behält seine Form und ist pflegeleicht. Es passt sich gut der Kleidung für die ganze Familie an, ist langlebig und wirtschaftlich. Und immer, wenn es so aussieht, als würde es aus der Mode geraten, taucht es wieder auf und erhält ein weiteres Update.

 

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Der alte, sperrige Stoff wird Stretch

So auch in den späten 1960er und 1970er Jahren. Die Anti-Establishment Bewegungen erkennen im Cord ihr Symbol und pflegen den abgenutzten und verblichenen Look, den Cord annehmen kann. Eine Generation später ist Cord allerdings schon wieder ultrachic. Eine Explosion von Farben und Mustern machen Cord zu einem der weit verbreitetsten Textilien weltweit. Und obwohl Gianni Versace 1982 nochmal eine ganze Kollektion dem Cord widmet, kommt es in den 1980er Jahren völlig aus der Mode, um pünktlich zum Grunge in den 1990er Jahren wieder up to date zu sein. Da allerdings konnte man seine Cordhose schon in der Stretch-Version erwerben.

Und nun, im Herbst/Winter 2018 hat die Modebranche also das nächste Comeback von Cord annonciert. Und vorbei ist die Zeit der Rentnerhose, das ewige Beige bis Dunkelbraun. Denn Cord kommt heute in allen möglichen Formen und Farben daher. Richtig angesagt sind Beinkleider in Übergröße und Pastellfarben wie Altrosa und starke Beerentöne. Es ist also Zeit, Cord mal wieder eine Chance zu geben und sich dafür nicht zu viel Zeit zu lassen. Denn die vergangenen Jahrzehnte zeigen – lange wird der Cord-Trend wohl auch dieses Mal nicht anhalten. Das nächste Comeback folgt aber auch dann ganz bestimmt.

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