Die Zukunft ist … Ultraviolett!

Die Pantone Farbe für das Jahr 2018 heißt „Ultra Violet“
©istock/onlyyouqj
Seit 2000 wählt das einflussreiche amerikanische Farbunternehmen Pantone die „Farbe des Jahres“. Nach einem leichten Grün („Greenery“) im vergangenen Jahr ist es für 2018 nun „Ultra Violet“ geworden. Einfallsreichtum, Originalität und visionäres Denken sollen durch die Wahl gestärkt werden.

Fakt ist, kaum eine Farbe hat Künstler mehr zur Kreativität angeregt als Violett, Lila oder wie es im Englischen heißt: Purple. Doch an Violett scheiden sich auch die Geister, oder besser gesagt, die Geschlechter. Während die Farbe bei Männern nicht besonders beliebt ist und Goethe ihr sogar jegliche Fröhlichkeit absprach, gilt sie bei Frauen seit jeher als die Farbe des Feminismus und ist ihnen Ausdruck vollendeter Unabhängigkeit und Spiritualität.

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Ultraviolett – kann das bloße Auge nicht sehen

Physikalisch betrachtet ist Violett der letzte, für den Menschen gerade noch wahrnehmbare Bereich des Farbspektrums. „Ultra“ bedeutet hier, dass diese Farbe eigentlich über das Violett hinausgeht und für das bloße Auge nicht mehr sichtbar ist. Die sogenannte UV-Strahlung wird umgangssprachlich auch als Schwarzlicht bezeichnet, weil sie Neonfarben und andere fluoreszierende Stoffe scheinbar ohne den Einfluss von Licht zum Leuchten bringt. In der Natur führt das zum Beispiel zu Phänomenen wie Gewitterblitzen und Polarlichtern. Die Pantone-Farbe des Jahres „Ultra Violet“ ist allerdings auch bei Tageslicht zu sehen und gleicht vielmehr einem normalen Lila.

Jede Purpurschnecke nur ein Tropfen

Obwohl einige Experten die Wahl zur „Farbe des Jahres“ durch Pantone als reinen Marketingtrick abtun, scheut das Unternehmen offenbar keine Mühe, um mit Hilfe zahlreicher Scouts tatsächlich Farbtrends aufzuspüren. Und Unternehmen aus Textil-, Dekorations-, Kosmetik- oder Autoindustrie nehmen die jährliche Anregung durchaus dankbar auf.

Mit der diesjährigen Wahl hat es eine uralte Farbfamilie getroffen, die für Reichtum und Macht steht. Denn ihre Herstellung war jahrhundertelang nicht nur aufwendig, sondern auch überaus kostspielig. Gemischt wurde das Violett aus dem Ultramarin des Lapislazuli und dem tyrischen Purpur (Dunkelrot), welches aus den im Mittelmeer vorkommenden Purpurschnecken gepresst wurde. Aus jeder Schnecke war nur ein einziger Tropfen zu gewinnen und so türmten sich entlang der Küste bald meterhohe Haufen aus weggeworfenen Purpurschneckenhäusern auf. Der Ton hatte über Jahrhunderte so viel Prestige, dass Gewänder in dieser Farbe nur den römischen Cäsaren vorbehalten waren und auch später lediglich königliche Gemächer mit diesen Stoffen ausgestattet wurden.

Purple Rain und Rihannas Lippenstift

In unserer Zeit wurde Violett immer mehr zu einer Farbe der Gegenkultur, der Nonkonformität und künstlerischen Brillanz. Der berühmte Architekt Frank Lloyd Wright soll sich immer dann einen lila Umhang übergeworfen haben, wenn er nach kreativen Eingebungen suchte. Auch Richard Wagner bevorzugte mit viel Violett ausgestattete Räume, um seine Kompositionen zu verfassen. David Bowie trat gerade in den 80er Jahren bevorzugt mit violetten Jackets auf. Nicht zu vergessen: Prince. Mit „Purple Rain“ schuf er einen zeitlosen Pop-Klassiker. Und wem steht Violett heute am besten? Wahrscheinlich der Sängerin Rihanna. Für eine berühmt gewordene Werbekampagne von Christian Dior zeigte sie sich mit lila Lippenstift und einer spacy-lila Sonnenbrille.

Der besondere Einfluss der Farbe auf die künstlerische Inspiration war allerdings schon dem großen Leonardo da Vinci bekannt. Er notierte, dass Gebete und Meditationen zehnmal stärker und wirkungsvoller wären, wenn sie in einem warmen lavendelfarbenen Licht praktiziert würden.

Amethyst und Kronen-Chakra

Als einen dunklen, auf der Farbe Blau basierenden Lilaton definierte Pantone seine Farbe des Jahres 2018. In unruhigen und experimentierunfreudigen Zeiten soll sie dazu inspirieren, eine Welt jenseits unserer eigenen zu verfolgen. Damit wird vor allem der spirituelle Charakter der Farbe betont. Im Hinduismus ist Lila die Farbe des sogenannten Kronen-Chakras, des einzigen Energiezentrums, welches sich außerhalb unseres Körpers befindet. Es stellt die Vereinigung zwischen dem Irdischen und dem Göttlichen dar. Es ist eine Mischung der eigentlich gegensätzlichen Pole Rot und Blau, und deshalb spiegelt Violett auch die Dualität des Seins in unvergleichlicher Weise wider. Der Edelstein, welcher die Harmonie des Kronen Chakra am meisten unterstützt, ist der lila schimmernde Amethyst. Es ist auch der Geburtsstein für alle im Monat Februar Geborenen

Violett – Farbe des Feminismus

Schon Goethe galten Violetttöne in seiner Farbenlehre als besonders ambivalent und unruhig – in ihrer Mixtur aus Rot und Blau als weder warm noch kalt. Rot und Blau wurden seit der Antike abwechselnd als männliche und weibliche Farbe und später in genau umgedrehter Symbolik betrachtet. Lila – die Mischung – wurde deshalb im 19. Jahrhundert als Farbe der Gleichstellung der Geschlechter angesehen und war schon in ihren Anfängen der bestimmende Ton der Emanzipation und des Feminismus. Bereits die ersten Plakate der internationalen Frauentage wurden in Violett gestaltet und in den 1970er Jahren waren lila Latzhosen bei Verfechterinnen von Frauenpower groß in Mode. Wichtigste Erkennungsfarbe wurde Violett auch für andere Grenzgänger, nämlich Homosexuelle und Transvestiten. Auf Französisch heißen sie nicht umsonst Les Violets.

Lila – der letzte Versuch?

Schon 2014 hatte sich Pantone mit „Radiant Orchid“ für einen violetten Ton als Farbe des Jahres entschieden. Doch modisch angesagt war Lila oder Violett bei Weitem nicht immer. Vielmehr galt es lange Zeit als Farbe der alternden, wenn nicht sogar der sexuell frustrierten Frau. Als Rosa des Alters wurde die Farbe gern bezeichnet und eine lila Haarfärbung erregte bei Frauen mittleren Alters den Verdacht, noch einen letzten Versuch beim anderen Geschlecht zu wagen. Den alt jüngferlichen Staub hat Violett allerdings längst abgelegt. Kleidung in dieser Farbe strahlt heute Ideenreichtum, Selbstvertrauen und Weisheit aus. Ultravioletter Samt verleiht der Abendgarderobe beispielsweise eine elegante Dramatik und Casual Wear wirkt in Violett heute außergewöhnlich modern.

Die Begriffe Violett und Lila hat die Natur geprägt

Die Farben Violett oder Lila sind in der Natur etwas Besonderes. Hyazinthen, Lavendel und auch Salbei besitzen einen betörenden Duft und werden auch in der Medizin als wirksame Mittel eingesetzt. Auch die unterschiedlichen Begriffe Violett, Lila und Purpur leiten sich aus ihrem Vorkommen in der Tier- und Pflanzenwelt ab. Violett ist dabei die Farbe des Veilchens, welches auf Englisch und Französisch „Violet“ heißt. Purpur oder englisch purple geht auf den Farbstoff der gleichnamigen Schnecke zurück. Und Lila? Ist der Flieder, welcher im Englischen Lilac, im Französischen Lilas und im Arabischen Lilak heißt.

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