Bondage, Lack und Leder

Bondage, Lack und Leder - Vom Fetisch zum Fashiontrend
©istock/sUs_angel
Vom Fetisch zum Fashion-Trend! Spätestens seit dem weltweiten Hype um den Roman „Fifty Shades of Grey“ ist es nicht mehr ungewöhnlich, dass MANN und FRAU ein bisschen Bondage-Mode in ihr Outfit für das Wochenende mischen.

Der waghalsige S & M -Look war schon seit den 1950er Jahren immer mal wieder Mittel zur Provokation. Doch während es bisher Popstars, Schauspielern und Selbstdarstellern des Underground vorbehalten war, mit hüfthohen Stiefeln, Riemen und Schnüren, Halsbändern und Latex-Oberteilen zu reizen, ist der Bondage-Style nun mitten im Mainstream angekommen.

Korsette im viktorianischen Zeitalter, Emma Peel und die Rocky Horror Picture Show

Während sich Mode-Designer wie Dolce & Gabbana oder Alexander McQueen vor allem in den 1990er Jahren stark von der BDSM-Ästhetik inspirieren ließen, hatte die sogenannte Fetisch-Mode längst eine lange Tradition vorzuweisen. Den Anfang machte im Viktorianischen Zeitalter die Vorliebe für aufreizende Unterwäsche und vor allem das Korsett. In den 1950er-Jahren kam dann durch Marlon Brando und den Film „The Wild One“ der Motorrad-Chic und damit das erste Mal eine Menge Leder ins Spiel. So wie bei Emma Peel in der 1960er Kult-Serie „Mit Schirm, Charme und Melone“. Ihr schwarzer, hautenger Catsuit und ihre kniehohen Stiefel waren Ausdruck von Autorität, Gefahr und Verführung. Wahnsinnig sexy war Jane Fonda als Barbarella im gleichnamigen Film aus dem Jahr 1968. Ihre Future-Fetisch-Trikots und Bodys waren von Designer Paco Rabanne und stilbildend für eine experimentierfreudige Generation. Nicht zu vergessen: die „Rocky Horror Picture Show“, in der Bondage, Travestie und Sex-Spiele unverhüllt im Vordergrund stehen. Das, was man wohl auch als Kinky-Mode (kinky = englisch für abnorm oder pervers) bezeichnen kann, bestimmte als subversivere Facette der Fetisch-Fashion die homosexuellen Subkulturen in Amerika und Großbritannien. Hier dominierten Leder-Outfits, die schon bald die Popkultur erobern sollten.

Vivienne Westwood und die Erfindung der Punk-Mode

Zerrissene T-Shirts, Ketten, Fischnetze, Leder und Nieten – das war Ende der 1970er Jahre die Reaktion einiger Jugendlicher auf die Glamour- und Glitzermode der Disco-Ära.

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Ketten, Netzoberteile, Leder und Nieten – in den 70ern die Reaktion auf die Glamour- und Glitzermode der Disco-Ära. ©pixabay/KlausHausmann

Die heute hochdekorierte Mode-Designerin Vivienne Westwood erkannte die Zeichen der Zeit und eröffnete in London zusammen mit ihrem damaligen Freund Malcolm McLaren die Boutique „Sex“. Hier war alles Bondage und Fetisch. Sie selbst trug nach eigener Aussage „Gummistrümpfe und Negligees mit Stilettos“ und die Gruppe „Sex Pistols“ wurde zunächst gegründet, um als „Markenbotschafter“ den neuen Trend in die Welt zu tragen. Es dauerte nicht lange und die einstmals so anstößigen Outfits schafften es mit Bands wie Depeche Mode oder Franky Goes To Hollywood in den Popmusik-Mainstream und wurden von den Teens und Twens auf der ganzen Welt kopiert. Schon ziemlich spät erkannte auch der französische Modeschöpfer Jean Paul Gaultier den rebellischen Reiz der neuen Mode und baute Themen wie Sex, Fetisch und Bondage in seine Modekollektionen ein. Neben diversen Outfits aus Gummi und Latex ist jedoch wohl vor allem ein Kleidungsstück in Erinnerung geblieben. Pop-Queen Madonna hatte auf ihrer Blond Ambition World Tour 1990 ein rosa Korsett mit konisch-spitzen Büstenhalter getragen und damit zum Teil heftige Reaktionen provoziert. Auch Versace setzte 1992 auf eine Bondage-Kollektion und musste sich den Vorwurf machen lassen, ein frauenfeindliches Statement abgegeben zu haben.

Früher pervers, heute gefeiert

Gerade Frauen haben sich heute längst vom „Schlampen-Vorwurf“ befreit. Die LGBT-Communities erfahren weltweite Unterstützung und auch die Geschlechterrollen werden neu definiert. Auch deshalb wird mittlerweile gefeiert, was einst von der Mehrheit als „pervers“ angesehen wurde.

Fetisch-Mode ist längst nichts Ungewöhnliches mehr. Knallenge Latex-Minis, Netzkleider, nietenbesetzte Lederhalsbänder, Gurte, Riemen und andere S & M Accessoires sind überall erhältlich und somit auch im Alltag zu sehen. Sogar eher brave Girls wie Katie Holmes (als Domina in der spanischen Vogue) oder Claudia Schiffer (ebenfalls als Domina in der deutschen Vogue) geben ihrem inneren Biest mittlerweile ganz ungeniert Zucker. Eine Berufs-Provokateurin und Latex-Liebhaberin wie Lady Gaga fällt da kaum noch aus der Rolle. Mittlerweile gibt es ein umfangreiches Angebot an Bondage- und Fetisch-Bekleidung, das zwar dem Mainstream-Geschmack angepasst, aber immer noch provokativ genug ist, damit sich MANN oder FRAU wagemutig fühlen kann. Und immer mehr Mode-Trendsetter fühlen sich von der Theatralik der Fetisch-Erotik angezogen. Auch weil diese impliziert, dass man nur durch das Tragen eines bestimmten Stils zu einer Person wird, die sexuelle Abenteuer erlebt.

freier Journalist für die Berliner Zeitung, Mitteldeutsche Zeitung und das Sunny-Dessous Magazin

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