EVA – Der BH zur Brustkrebsfrüherkennung

Frau in Bh
©Pixabay/Pexels
Julián Ríos Cantú ist Mexikaner, 18 Jahre alt, Student aus Monterrey und als er 13 war, bekam seine Mutter Graciela die erste Brustkrebsdiagnose gestellt. Und wenig später die zweite. Sie hat sie beide überlebt, dem Sohn aber hat es die Angst, seine Mutter zu verlieren, nicht genommen. Weshalb er sich hingesetzt und nachgeforscht hat.

Wie kann man Brustkrebs früh erkennen ohne invasive Eingriffe, ohne Mammografie – und vor allem da, wo Mammografie gar nicht möglich ist? In Mexiko trifft das auf weite Teile des Landes zu.
Der junge Mexikaner Julián Ríos Cantú musste feststellen: Das geht nicht. Noch nicht jedenfalls, denn Cantú hat eine Lösung ersonnen, für die er vor Kurzem den Global Student Entrepreneur-Award gewonnen hat. Und zwar mit einem BH.

Cantùs Büstenhalter ist mit etwa 200 Bio-Sensoren ausgestattet, die Gewicht, Form und Temperatur der Brüste vermessen können. Der BH sammelt also Daten, die auf eine bösartige Erkrankung der Brustdrüse (Mammakarzinom) hindeuten können. Entsteht nämlich ein Tumor in der Brust, fließt mehr Blut durch das Gewebe und die Temperatur steigt an. Mit der Hand ist das kaum spürbar. Aber mit Sensoren.
Cantús smarter BH, den er EVA genannt hat, kann so Daten sammeln, die einer Frau früh anzeigen können, ob ein Verdacht besteht oder nicht. Dafür reicht es, den BH einmal in der Woche für eine Stunde zu tragen. Die Daten werden an eine App geschickt und mit anderen Daten verglichen. Bleibt die Gewichtszunahme und der Temperaturanstieg konstant, empfiehlt die App eine Vorsorgeuntersuchung.

 

Um seine Idee zur Marktreife bringen zu können, hat Cantú die Firma „Higia Technologies“ gegründet und sich den Büstenhalter patentieren lassen. Jetzt sammelt er Geld für eine klinische Studie. 20 000 Dollar hat er bereits mit dem Preisgeld zusammen, weiteres soll von Investoren kommen. Er hofft, in zwei Jahren in Serie produzieren zu können.

Wie zuverlässig ist EVA?

Ob das freilich so schnell geht, ist noch ungeklärt. Susanne Weg-Remers vom Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums sagte der WELT: „Die klinische Studie muss groß angelegt werden. Sie muss prüfen, ob der BH wirklich zuverlässig zeigt, dass jemand an Krebs erkrankt ist – und ebenso zuverlässig zeigt, wenn jemand nicht erkrankt ist.“ Denn bislang ist unklar, wie verlässlich die Temperaturunterschiede tatsächlich eine tumorartige Veränderung des Brustgewebes anzeigen können. Aber die Leiterin kann sich vorstellen, dass der BH „Tumore an der Oberfläche des Brustgewebes gut erkennt, weil sie nah bei den Sensoren sind, weniger gut allerdings Tumore, die tiefer im Gewebe sitzen.“ Das müsse sich also erst noch zeigen, sagt sie. Sie hält Cantús BHs allerdings für eine „tatsächlich interessante Idee“.

Cantùs hat seinen BH vor allem für Frauen entwickelt, die genetisch eine hohes Risiko für eine Krebserkrankung haben. Für sie ist eine frühe und stete Kontrolle ihrer Brüste nämlich unerlässlich. Denn nichts ist wirksamer gegen Brustkrebs als Früherkennung. Wie bei jedem Krebs erhöhen sich die Heilungschancen drastisch, je früher der Tumor entdeckt, entfernt und nachbehandelt wird. Bis dato ist die Hand der Frau also immer noch die verlässlichste Ersterkennungsgehilfin. Bald aber könnte Cantùs BH als Unterstützung hinzukommen.

Symptome

Fachärzte und Experten raten zu einem Abtasten des Gewebes ein Mal aller vier Wochen. Knoten in Brustnähe und in der Achselgegend können auf die Bildung eines Karzinoms hinweisen, müssen aber nicht. Trotzdem sollte jede Veränderung ärztlich untersucht werden. Weitere Indizien für einen Brustgewebetumor sind laut Krebsinformationsdienst „bisher nicht aufgefallene Form- oder Größenunterschiede der Brüste, Einziehung einer Brustwarze, wasserklare oder blutige Absonderungen aus einer Brustwarze, Einziehungen der Brusthaut an einer Stelle, ‚Apfelsinenhaut’ oder kleine punktförmige Grübchen in der Haut, neu auftretende, nicht abklingende Hautrötung oder -schuppung, oder einseitige brennende Schmerzen oder Ziehen.“
Sollten diese Symptome zusammen kommen, kann nur der Facharzt eine verlässliche Diagnose stellen. Er kann die Brust mammografieren (bei Frauen über 40), er kann sie mit dem Ultraschall untersuchen (häufig bei Frauen unter 40), er kann das Gewebe mit Hilfe einer Biopsie untersuchen. Und erst dann kann er entscheiden, ob es sich bei den entdeckten Veränderungen um Krebs handelt oder nicht.

Brustimplantate und Spezial-BHs

Es ist beileibe kein Leichtes für Frauen, sich dem Thema zu stellen. Man kann an dem Tumor sterben. Und Frauen können durch die Behandlung ihre Brüste verlieren, so wie Cantús Mutter beide verlor. Mit 30 Prozent ist das Mammakarzinom zudem die häufigste Krebserkrankung bei Frauen. Jährlich betrifft das knapp 70 000 Frauen, und die Zahlen sind steigend. Genauso aber ist auch die Heilungsrate gestiegen. Und das neben besseren Behandlungsmethoden- und mittel durch die verbesserten Früherkennungsmöglichkeiten, sofern sie eben wahrgenommen werden. Die Überlebenschancen für die ersten fünf Jahre liegen laut Krebsgesellschaft bei 87 Prozent.

Dass Frauen ihre Brüste verlieren können, ist ein schmerzlicher Verlust. Vor allem seelisch. Aber es gibt mittlerweile Brustimplantate und Spezial-BHs, die helfen können, das Trauma besser zu verarbeiten. Zwei Möglichkeiten haben Frauen, eine Brust optisch wieder „aufzubauen“: mit Einlagen für BHs oder Prothesen und mit Implantaten.

Einlagen für kurz nach der OP sind aus Watte oder Schaumstoff. Sind die Narben verheilt, bieten sich Kissen aus Silikon an. Dafür gibt es Spezial-BHs, die an den Cups über Seitentaschen verfügen, in die man die Einlagen schieben kann. Die Seitentaschen sind meist aus weicher Baumwolle, aus Mikromodal oder Mikrofaser. In der Regel haben die BHs außerdem ein höheres Dekolleté und einen höheren Steg, um der Prothese und Ausgleichsschale einen sicheren Halt zu geben. Und sie haben einen oftmals höheren Armausschnitt, um Narben zu kaschieren.
Eine andere Möglichkeit sind selbsthaftende Silikon-Prothesen, die man unter jedem normalen BH tragen kann. Für Frauen, die brusterhaltend operiert wurden, gibt es Teilprothesen. Sie geben der Brust eine schöne Form zurück und stellen die Symmetrie zur gesunden Brust her.
Schließlich kann man eine Brust durch Implantate rekonstruieren. Oder mit Eigengewebe, was allerdings sehr aufwendig ist und nicht sicher frei von Komplikationen.

Schreibe einen Kommentar