Eifersucht – wer leidet mehr ER oder SIE?

Unglückliches Paar
©istock/nd3000
Das grünäugige Scheusal nannte William Shakespeare die Eifersucht. Oftmals wird dieses Gefühl zu Unrecht verteufelt. Dabei empfinden schon Kinder so etwas wie Eifersucht auf zum Beispiel andere Geschwister. Warum es sich bei der Eifersucht um ein evolutionär sinnvolles Verhaltensmuster handelt, wie unterschiedlich Männer und Frauen eifersüchtig sind und wieviel davon noch erträglich und "normal" ist, das klären wir hier in unserem Artikel.

Eifersucht ist eine elementares menschliches Gefühl und begleitet uns seit den ersten Tagen. Das Wort allerdings stammt wohl erst aus dem 16. Jahrhundert. Damals schrieb William Shakespeare sein Stück „Othello“, in dem der Feldherr gleichen Namens aus Eifersucht am Ende seine geliebte Ehefrau Desdemona umbringt und danach auch sich selbst. Trotz aller Fiktion griff Shakespeare ein Szenario auf, dass sich immer wieder ereignete und in dem Eifersucht tatsächlich ein Mordmotiv war. „Rasend vor Eifersucht“ verletzten Liebende ihre Partner (oftmals tödlich), um die Tat nur wenige Sekunden später entsetzlich zu bereuen.

So betrafen einige der berühmtesten Prozesse des 19. Jahrhunderts Männer, die ihre Ehefrau oder den Liebhaber ihrer Ehefrau getötet hatten und in vielen Fällen erfolgreich argumentierten, dass sie von einer Art Krankheit überwältigt wurden, die einfach ihren rationalen Willen überwunden hatte. Doch ab den 1920er Jahren wurde Eifersucht in ihrer legitimen Macht, rationale Kontrollmechanismen zu überwinden, neu bewertet und die Gesetze entsprechend geändert. Heute sollte es immer in der Macht der von Eifersucht Befallenen stehen, sich zu zügeln und Leben oder Gesundheit nicht zu gefährden.

Eifersucht – Deal-Maker oder Deal-Breaker?

Grundsätzlich wird bei Eifersucht zwischen zwei Ebenen unterschieden. Die eine betrifft die sexuelle Eifersucht. Dabei kann sich dieses Gefühl auch zum Beispiel zwischen zwei Künstlern und ihrem Publikum entwickeln. Die zweite Form der Eifersucht betrifft die emotionale Nähe und Verlässlichkeit auf eine sichernde Beziehung. Dabei sind sich Psychologen mittlerweile einig, dass zum Eifersuchts-Szenario mindestens drei Teilnehmer gehören.
Zwei Personen oder Instanzen haben ein Verhältnis zueinander. Eine dritte Partei betritt das Spielfeld. Und mindestens eine Person der „Ur-Beziehung“ fühlt sich vom Neuankömmling in seiner angenommen sicheren Stellung darin bedroht. Dabei können folgende Faktoren verstärkend hinzukommen: vorhergehende Erfahrungen mit Verlassenwerden und Verrat, unklar gehaltene Erwartungen und ein unausgewogener Verpflichtungsstatus.

Wie entsteht Eifersucht?

Die eigene Frau zieht sich nur noch sexy Reizwäsche an, wenn sie mit ihren Freundinnen ausgeht oder zeigt sich besonders gern im aufreizenden Badeanzug, wenn der Strand besonders voll ist – und schon ist es wach, das grüne Monster, blickt scheel in jede Richtung und nagt an der Selbstsicherheit. Ist es so einfach? Entsteht so Eifersucht? Natürlich nicht.
Die Psychologen haben in den vergangenen Jahrzehnten zahllose Theorien über die Eifersucht aufgestellt. Dabei geht es bei den allermeisten vor allem um den Selbstwert. Denn je schlechter man sich und das eigene Leben bewertet, desto mehr potentielle und dann natürlich im Vergleich immer besser abschneidende Konkurrenten gibt es natürlich. Interessanterweise sollen das Gefühl, welches eigentlich jeder kennt, durch zwei Verlusterfahrungen stark begünstigt werden. Es geht um Verlassenwerden in der Kindheit und Betrogenwerden im Erwachsenenalter.

Beide Erfahrungen bedeuten eine massive Beeinträchtigung des Selbstwerts und öffnen dem Gefühl der Eifersucht quasi Tür und Tor. Als Eifersucht begünstigend gelten auch zum Beispiel ungeklärte Vorstellungen über Exklusivität in einer Beziehung. Partner sollten sich bezüglich der Vorstellungen über sexuelle Treue klar austauschen, um dem Anderen auch in Abwesenheit ein Gefühl der Sicherheit zu vermitteln.

Was unterscheidet IHRE Eifersucht von SEINER Eifersucht?

Noch Johann Wolfgang von Goethe wollte das Gefühl der Eifersucht einseitig den Frauen in die Tasche schieben, als er die Narren in drei verschiedene Klassen unterschied: „Die Männer aus Hochmut, die Mädchen aus Liebe, die Frauen aus Eifersucht.“ Doch längst sind sich Forscher sicher, dass sich Frauen zwar in ein grünäugiges Monster verwandeln, wenn ihr Status in der Beziehung bedroht ist, Männer hingegen noch viel schlimmer „durchdrehen“, wenn die Frau fremdgeht und die sexuelle Leistungsfähigkeit und Attraktivität der Männer dadurch in Zweifel gezogen werden. Das ist wohl evolutionär bedingt. Denn Frauen verunsichert die emotionale Untreue wesentlich stärker, weil sie den Verlust und die Aufgabe von existenzsichernden Ressourcen befürchten müssen.

Nach diesem Schema spielt der Mann seine archaische Rolle als Ernährer und Beschützer. Seine „emotionale“ Hinwendung zu einer anderen Frau löst bei der ursprünglichen Partnerin tiefsitzende Ängste aus. Umgedreht ist es beim Mann so, dass er bei Untreue der Frau befürchten muss, nicht der eigentliche Erzeuger jenes Kindes zu sein, das er später großziehen und ernähren soll. Demzufolge ist er weniger eifersüchtig auf die emotionale Entfernung der Partnerin ob eines Konkurrenten, sondern mehr auf das singuläre sexuelle Fremdgehen.

Ist ein bisschen Eifersucht nicht auch gut für die Beziehung?

Tatsächlich muss nicht jede Eifersucht ein Drama sein und notwendigerweise zu Tränen führen. Eifersucht in niedrigen oder mittleren „Dosierungen“ kann für den Partner ein wichtiges Zeichen des Engagements, der Liebe und Verbundenheit sein. Fehlende Hingabe und Leidenschaft und somit auch die völlige Abwesenheit von Eifersucht haben schon so manche Beziehung gekillt. Auf der anderen Seite argumentieren die Vertreter der „wahren“ Liebe, dass Liebe und Eifersucht einen Widerspruch darstellen, da letzteres Gefühl eine Art Besitzanspruch formuliert, der mit wirklicher Liebe nichts zu tun hat.

Wer wirklich liebt, der möchte, dass sich der oder die Geliebte maximal frei fühlen und sich von nichts und niemanden einschränken lassen müssen. Insgesamt lässt sich wohl feststellen, dass Eifersucht eine völlig menschliche Emotion ist und am Ende doch wichtig ist, wie damit umgegangen wird. Partner sollten sich ihrer eigenen Gefühle mittels Gesprächen bewußt sein und darüber diskutieren können. Nur so lassen sich gemeinsame, partnerschaftliche Wege aus einer Sackgasse finden.

5 Tipps, Eifersucht kurzfristig zu besiegen

  • Erkenne deine Eifersucht. Dämonisiere sie nicht sondern erkenne an, dass es eine sowohl universale als auch schwierig zu zähmende Emotion ist.
  • Denke immer daran, dass Eifersuchtsverhalten am Ende aufgegeben werden muss. Versuche Befragung, Überprüfung, Verfolgung und Kontrolle zu vermeiden oder zumindest schrittweise abzubauen. Je mehr davon, desto schlimmer wird das Gefühl der Eifersucht.
  • Versuche das Gefühl der Eifersucht zu kontrollieren. Schreibe die Gedanken dazu täglich auf und versuche die Auseinandersetzung mit dem Gefühl auf die Zeit dieser Niederschrift zu beschränken.
  • Entwickele Grundregeln mit deinem Partner über Handlungen die Eifersucht auslösen oder verstärken.
  • Erkenne, das eine Beziehung zwischen zwei Partnern auch den normalen Gesetzen des Lebens unterliegt. Manchmal lügen Partner, manchmal passt dieser nicht zu dir. Manchmal gehen dann Beziehungen auseinander. Aber: es gab ein Leben vor der Beziehung und es wird ein Leben nach der Beziehung geben.

Mehr Tipps zweiten Teil: Sieben Verhaltensweisen bei Eifersucht

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