Eine unterschätzte Gefahr: Brustkrebs bei Männern

Mann hält sich die schmerzende Brust
© istock/Pornpak Khunatorn
Die Erinnerungsschleife für Brustkrebs ist Rosa. Doch davon sollte sich keiner täuschen lassen, denn auch Männer können Brustkrebs bekommen. Zwar ist die Häufigkeit deutlich geringer als bei Frauen, aber dafür sind betroffene Männer einem besonderen Risiko ausgesetzt. Weil Männer seltener zu Vorsorgeuntersuchungen gehen und weil der Krebs, wenn er als solcher erkannt wird, bei der Diagnose weiter fortgeschritten ist, verläuft er überdurchschnittlich häufiger tödlich. Wir von SUNNY wollen deshalb hier auf eine völlig unterschätzte Krankheit aufmerksam machen und über Symptome, Heilungschancen und Selbsthilfegruppen informieren.

Als Mathew Knowles vor ein paar Monaten ein paar Tropfen Blut auf seinen weißen Hemden bemerkte, da ahnte er, dass das nichts Gutes zu bedeuten hatte. Normalerweise hätte ein ganz normaler Kratzer oder Mückenstich die Ursache sein können, aber Knowles wusste um seine genetische Vorbelastung und dass sie auch die Diagnose „Brustkrebs“ wahrscheinlich machte. Der Amerikaner entschied sich zum Arzt zu gehen, und tatsächlich, die Mammographie ergab, dass Knowles Brustkrebs hatte. Weitere Tests zeigten eine Mutation in seinem BRCA2-Gen. Dieses Gen produziert Proteine, die beschädigte DNA reparieren. Eine Mutation des Gens ist mit einem erhöhten Risiko für Prostata- und Brustkrebs verbunden.

Nun wäre das noch keine Nachricht wert, aber Mathew Knowles ist kein Geringerer als der Vater der weltweit bekannten Popsängerin Beyonce und selber ein äußerst erfolgreicher Manager im Showbusiness. In der Show „Good Morning America“ machte er seine Diagnose auch deshalb öffentlich, weil er wollte, dass mehr Männer ihn dabei unterstützen, die mit Brustkrebs verbundenen Stigmata zu beseitigen. „Männer schämen sich bezüglich dieser Krankheit ganz besonders – aber es gibt keinen Grund dafür. Und vor allem ist es hoch gefährlich, es zu verheimlichen“, so Knowles. Er selbst habe seinen Krebs früh erkannt und möchte andere Männer dafür sensibilisieren, mögliche Symptome ebenfalls frühzeitig ernst zu nehmen.

 

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So häufig ist Brustkrebs bei Männern in Deutschland

Während es in Deutschland bei Frauen pro Jahr über 70.000 Neuerkrankungen gibt, liegt die Zahl bei den Männern nach Angaben des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) lediglich bei 500 bis 600. Aufgrund der meist späten Diagnose sterben allerdings etwa 20 Prozent daran, was eine für diesen Krebs verhältnismäßig hohe Sterberate ist. Weil Männer nur ungern einen Hausarzt aufsuchen und darüber hinaus der Irrtum besteht, dass nur Frauen an Brustkrebs erkranken können, ist die Krankheit in der Regel weiter fortgeschritten, wenn sie erkannt wird. „Wenn Männer einen verdächtigen Knoten in der Brust haben, ignorieren sie ihn oft“, sagt beispielsweise Prof. Valerie Speirs von der University of Aberdeen, eine auf männlichen Brustkrebs spezialisierte Biologin. „Dies bedeutet, dass sie in der Regel viel zu spät zum Arzt gehen und der Krebs danach schwieriger zu behandeln ist, da er sich dann meist schon auf die Lymphknoten oder andere Körperteile ausgebreitet hat.“

Das sind die Symptome, die keiner ignorieren sollte

Zuallererst raten alle Experten Männern ebenso wie Frauen ein sogenanntes „Brust-Bewusstsein“ zu entwickeln. Das bedeutet, dass der Brustbereich und dabei vor allem die Brustwarzen einer regelmäßigen Prüfung unterzogen werden. Dabei ist vor allem dann höchste Alarmbereitschaft angesagt, wenn eine einseitige, schmerzlose Verhärtung festgestellt wird. Diese liegt, so das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) meist zwischen Brustwarze und Achselhöhle.

 

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Warnzeichen sind aber in jedem Fall vor allem Veränderungen an der Brustwarze. Das können Hautbeulen oder ungewöhnliche Falten sein, Rötung oder Schuppung der Haut an und um die Brustwarze, Wunden oder Entzündungen, die nicht abheilen.
Laut Professor Valerie Speirs ist ein gefühlter Knoten im Brustbereich fast immer das erste Anzeichen von Brustkrebs bei Männern. „Gefahr im Verzug ist in jedem Fall auch, wenn sich die Nippel nach innen zurückziehen oder Blut aus der Brustwarze austritt.“ Spätestens dann, so Speirs, muss dringend ein Arzt aufgesucht werden.

Wie können Männer ohne richtige Brust überhaupt Brustkrebs bekommen?

Die bei weitem häufigste Frage zu diesem Thema ist, wie Männer an Brustkrebs erkranken können, wenn sie keine Brüste haben? Männer werden mit geringen Mengen an Brustgewebe geboren, und obwohl sie sich nicht wie Frauen entwickeln, besteht dort immernoch die Möglichkeit, dass sich Krebs entwickelt. Bis zur Pubertät ist das Brustgewebe bei Jungen und Mädchen gleich. Beide haben eine kleine Menge Brustgewebe hinter der Brustwarze und dem Warzenhof (dem dunkleren Hautbereich um die Brustwarze). Dieses Gewebe besteht aus ein paar winzigen Röhrchen (Kanälen), die von Fettgewebe, Bindegewebe, Blutgefäßen und Lymphgefäßen umgeben sind. Und dieses Gewebe behalten auch die Männer, obwohl es natürlich bedeutend kleiner als bei Frauen ist.

Das sind die größten Risikofaktoren

Wie auch bei Frauen, so lässt sich die Ursache für eine Brustkrebserkrankung beim Mann in sehr vielen Fällen nicht nachvollziehen. Die in der Fachliteratur beschriebenen Risikofaktoren sind so vielfältig wie umstritten.
Fakt ist aber: wie bei den Frauen so erhalten auch Männer ihre Brustkrebsdiagnose in den meisten Fällen im Alter zwischen 60 und 70.
Und das wohl größte Risiko ist Übergewicht. Fettzellen wandeln männliche Hormone, sogenannte Androgene, in Östrogene um. Diese wiederum sind auch bei Männern dafür verantwortlich, dass Brustzellen wachsen. Das heißt, dass sich Brustzellen häufiger teilen und je häufiger sie sich teilen,
desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass beim Kopieren der DNA Fehler auftreten. Und die wiederum können das Wachstum und die Ausbreitung von Krebszellen verursachen. Ein weiterer östrogenbedingter Risikofaktor ist eine Lebererkrankung wie eine Leberzirrhose oder eine schwere Lebervernarbung, die häufig auf starkes Trinken zurückzuführen ist. Laut des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) haben Männer mit schwerer Lebererkrankung häufig einen geringeren Androgen-Spiegel, das heißt zum Beispiel zu wenig Testosteron und deshalb einen höheren Östrogen-Spiegel.

Risikogruppe BRCA-Mutation

Darüber hinaus müssen zwei Risikogruppen mit einer deutlich höheren Wahrscheinlichkeit rechnen, an männlichem Brustkrebs zu erkranken: Männer aus Familien mit Brustkrebs bei Vorfahren und Mitgliedern, insbesondere mit BRCA-Mutation und Männer mit Klinefelter Syndrom. Dabei ist der Anteil dieser Männer an der Gesamtzahl der Betroffenen jedoch nicht sehr hoch. Es wird geschätzt, dass sich bei zirka zehn Prozent der betroffenen Männer Brustkrebs-Risiko-Gene nachweisen lassen. Der Anteil der Männer mit Klinefelter Syndrom wird lediglich mit 3 bis 7,5 Prozent angegeben.

Schematische Darstellung BRCA1
Schematische Darstellung des Proteins BRCA1 ©Emw Emw, Protein BRCA1 PDB 1jm7, CC BY-SA 3.0

Männer die wissen, dass sie eine sogenannte BRCA1- oder BRCA2-Mutation in sich tragen, müssen keine Angst haben, deshalb notwendigerweise an Krebs zu erkranken. Dennoch besteht für sie ein deutlich höheres Risiko als bei Menschen ohne diese Gen-Mutation. Diese Mutationen sind genetisch bedingt und können an Kinder weitergegeben werden. Und damit wird auch das erhöhte Risiko einer Brustkrebserkrankung sowohl bei Frauen als auch bei Männern weitervererbt. Die amerikanische National Breast Cancer Foundation gab erst kürzlich in einer Mitteilung an, dass 55 bis 65 Prozent der Frauen mit der BRCA1-Mutation und etwa 45 Prozent mit der BRCA2-Mutation im Alter von 70 Jahren an Brustkrebs erkranken werden. Laut der American Cancer Society hat auch etwa einer von fünf Männern mit Brustkrebs eine nahe Verwandte, die ebenfalls Brustkrebs hatte. In den meisten Fällen liegt dies daran, dass eine BRCA1- oder BRCA2-Genmutation vererbt wurde. Weltweit bekannt wurde dies, als sich Angelina Jolie aus genau diesem Grund beide Brüste amputieren ließ.

Schematische Darstellung BRCA2
Schematische Darstellung des Proteins BRCA2 ©Filip em, Brca2rad51, CC BY 2.0

Wenn bei einem Mann Brustkrebs diagnostiziert wird, führen Ärzte in der Regel auch Gentests durch, um festzustellen, ob er BRCA1- oder BRCA2-Mutationen in sich trägt. Es ist aber auch ratsam, den Arzt schon vorher über diese Mutationen zu informieren, damit dieser die entsprechende Vorsorge darauf abstimmen kann.

Mit diesen Untersuchungen kann Brustkrebs ermittelt werden

Während jeder Patient natürlich anders ist, so ist das Protokoll für die Früherkennung und Behandlung von Brustkrebs bei Männern und Frauen ziemlich gleich. Wenn ein Mann mit einem auffälligen und verdächtigen Knoten im Brustbereich in eine Arztpraxis kommt, wird eigentlich genau dasselbe wie bei Frauen gemacht. Verdachtsfälle werden per Ultraschalluntersuchung, Röntgenaufnahmen und Mammographien untersucht. Weil diese Verfahren aufgrund des dichteren Brustgewebes bei Männern nicht ganz so aufschlussreich sind wie bei Frauen, wird die Entdeckung eines möglichen Tumors erschwert. Eine eindeutige Diagnose wird deshalb erst nach der Entnahme einer Gewebeprobe gestellt.

Der nächste Schritt: Operation

Wenn eine Brustkrebsdiagnose vorliegt, ist der nächste Schritt typischerweise eine Operation. „Die meisten Männer werden einer Mastektomie unterzogen, auch wenn sie sehr wenig Brustgewebe haben“, sagt Professor Valerie Speirs aus Aberdeen. „Der Chirurg wird dann eine Biopsie der Lymphknoten im Achselbereich durchführen, um sicherzustellen, dass sich kein Krebs ausgebreitet hat. Daran schließen sich bei Bedarf häufig Chemotherapie und Bestrahlung an.“ In einer Operation werden die tumorverdächtigen Bereiche entnommen, oft ist es auch das gesamte Brustgewebe.

 

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Außerdem ist es sehr wichtig, die benachbarten Lymphknoten mit zu entfernen, denn über sie kann der Krebs in den Körper streuen. In vielen Fällen wird das Gewebe schon während der OP bestrahlt. Vom Befund nach der Operation hängt ab, ob weitere Therapien nötig sind, um Rückfälle zu verhindern. Dazu gehören eine Strahlentherapie der Brustwand und eventuell eine Chemotherapie. Bei vielen Männern kommt eine Antihormon-Therapie dazu, wenn der Tumor unter Hormoneinfluss gewachsen ist.

Impotenz durch Medikament

Wie oben schon erwähnt, ist es vor allem der Brustkrebs beim Mann, der in der Gesellschaft noch immer stark stigmatisiert ist. Doch der männliche Brustkrebs kann auch auf eine sehr konkrete Weise isolieren. Denn eine Nebenwirkung von Krebsmedikamenten wie zum Beispiel Tamoxifen kann Impotenz sein, eine Beeinträchtigung der Sexualfunktion über die Männer in der Regel einen Mantel des Schweigens breiten. Auch deshalb ist es wichtig, diese Krebsart stärker ins Bewusstsein der Öffentlichkeit zu rücken.

Selbsthilfegruppen

Noch etwas ist anders als bei Frauen: Für Männer gibt es kaum spezielle Brustkrebs-Selbsthilfegruppen. Eine gute Anlaufstelle ist allerdings das „Netzwerk Männer mit Brustkrebs“, das Betroffenen und ihren Angehörigen bundesweite Treffen, Austausch per Telefon und E-Mail sowie allgemeine Beratung bietet. Eine sehr aufschlussreiche Webseite ist darüber hinaus die Seite Brustkrebs beim Mann.