Body Positivity – liebe deinen Körper!

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Während die Zufriedenheit der Menschen mit ihren Körpern in den 1990er Jahren so hoch war wie noch nie in der Geschichte, begann diese Anfang der 2000er Jahre stetig zu sinken. Der Druck durch festgefügte Idealvorstellungen und ein beginnendes mediales Dauerbombardement voller Abbildungen unnormal dünner Models und stark bearbeiteter Fotos sorgte vor allem bei Frauen für zunehmendes körperliches Unbehagen. Die Gegenbewegungen folgten auf dem Fuß und beherrschen nun schon seit einiger Zeit die Debatten auf Instagram, Facebook und anderen Social Media Plattformen.

Body Positivity – Aufforderung zur Selbstliebe

90 – 60 – 90 – mit dieser Formel wurde in den vergangenen Jahrzehnten oftmals der ideale weibliche Körper definiert. Doch auch hier scheinen sich in der letzten Zeit mehr und mehr Stimmen zu erheben, die auch alle anderen Körperformen – und dabei vor allem natürlich die etwas fülligeren – als sexy und verführerisch dargestellt sehen möchten.

Der Kampf gegen herrschende Schönheitsnormen hat dabei eine lange Tradition. Schon im viktorianischen Zeitalter zwischen 1850 und 1890 gab es die erste Reform, welche es Frauen erlaubte, aus Kleidern auszusteigen, die ihre Gesundheit beeinträchtigten. Später wurde der Kampf gegen zu enge Korsetts, Berge von Unterröcken und für das Recht auf das Tragen von Hosen weitergeführt. Mit jeder Verschiebung des Kleidertrends erreichte die Frau mehr Freiheiten, körperlich in ihrem natürlichen Zustand zu existieren.

Ab Mitte des 20. Jahrhunderts begann sich der Fokus der Aktivisten weg von der Mode hin zur Body Positivity zu entwickeln. Im Fokus stand dabei vor allem die Stigmatisierung von dicken Menschen und dabei natürlich von dicken Frauen. Ein richtiges kulturelles Phänomen ist die sogenannte Body Positivity allerdings erst in den vergangenen fünf Jahren geworden. Die Amerikanerin Ashley Graham wurde das erste „Plus-Size“ -Modell, welches das berühmte Cover von Sports Illustrated’s Badeanzug-Ausgabe zierte. Ihre Popularität nutzend setzte Graham danach sogar durch, dass eine Barbiepuppe in Serie ging, deren Oberschenkel sich berührten.

Von gesellschaftlichen Ketten befreit

Sports Illustrated setzte danach in Sachen Body Positivity und Female Empowerment weiterhin Maßstäbe. Zum Beispiel mit dem Projekt „In Her Own Words“. Models und Aktivistinnen wie zum Beispiel auch das Plus-Size-Model Hunter McGrady zeigten sich nackt in Schwarz und Weiß. Auf ihren Körpern sind Worte wie „Confidence“ (Vertrauen), „Fearless“ (Furchtlos) und „Strong“ (Stärke“) zu sehen. McGrady, die Kleidergröße 46 trägt, sagte dazu: „Ich habe mich von den gesellschaftlichen Ketten, einem bestimmten Ideal entsprechen zu müssen, endgültig befreit“.

Für #hipdips und Dehnungsstreifen

Mittlerweile hat die „Befreiungsbewegung“ vor allem auf Instagram richtig Fahrt aufgenommen und produziert eine ganze Reihe von Projekten. Unter dem Begriff #hipdips werden von Models ganz offen deutliche Dellen zwischen Oberschenkeln und Hüften und auch deutliche Speckröllchen gezeigt. Diese Extrakurven an den Hüften hätten, so die Initiatoren, rein gar nichts mit Übergewicht zu tun, sondern seien anatomische Charackteristikas und damit auch völlig normal. Ähnlich sieht es mit den berühmten Dehnungsstreifen vor allem in der Po-Partie aus. Auch hier ist Mutter Natur die Kreatorin und lässt sich selbst bei intensivstem Fitnesstraining nicht überlisten. Diverse Online-Shops für Dessous und Badebekleidung wie „Asos“ und „Misguided“ haben deshalb mittlerweile erklärt, diese Streifen bei ihren Models nicht mehr wegzuretuschieren.

Schluß mit Bodyshaming

Selbst Frauen wie Tennisspielerin Serena Williams haben mittlerweile ihr Herz für Body Positivity entdeckt. Als die Amerikanerin, die selbst oftmals für ihren stämmigen Körperbau kritisiert worden war, im September 2017 ihre Tochter zur Welt gebracht hatte, schrieb sie in einem offenen Brief an ihre Mutter: „Wir sehen nicht alle gleich aus. Wir sind kurvig, stark, muskulös, groß, klein (…) und vor allem eins: Wir sind Frauen und stolz!“. Wie auch Serena Williams feststellt, haben Frauen einfach zu lange im Schatten des von Zeitschriften, Online-Seiten und Fernsehformaten vorgegebenen Idealbilds gelebt. Die Wahrheit ist: Es gibt zahllose Körperformen, Hautfarben und auch -typen. Es gibt unterschiedliche Herkunftsmilieus, soziale Prägungen und natürlich auch Abnormitäten und Behinderungen. All das kann und muss geliebt und akzeptiert werden können. Body Positivity heißt deshalb vor allem Körperakzeptanz und das Loslassen von negativen Selbsturteilen. Der eigene Körper soll geliebt und umarmt werden, egal ob er der „Norm“ entspricht, ob er zu dünn oder zu dick ist.

 

 

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