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Rückblick in die 50er und 60er – meine Tante erzählt aus ihrer Zeit als Dessous-Näherin in der DDR

Veröffentlicht von Sunny am 21. August 2015 | Keine Kommentare, jetzt kommentieren!

Es ist schon interessant, wie sich alles fügt: Meine Omi war Näherin für Miederwaren ebenso meine Tante und ja… mich hat es letztendlich auch in den Dienst des praktisch-sinnlichen „Darunters“ für Frauen verschlagen. Aber eigentlich haben ja alle Frauen (und gelegentlich auch die Männer) mit den Wunderwaffen weiblicher Verhüllungstechnik zu tun.

Womit beginne ich? Am besten bei meiner Tante, denn sie kann sich noch sehr gut an ihre Zeit als Mitarbeiterin der Firma „Karl Spranger Miederfabrik“ erinnern.

 

Karl Spranger – Maßkorsett- und Wäschefabrik in Roßwein*

Karl Spranger – Maßkorsett- und Wäschefabrik in Roßwein*

1903 gegründet, hatte das Unternehmen in seinen Hochzeiten ca. 180 Angestellte (allein im Zuschnitt waren es 15). Produziert wurde – zumindest in den 50er und 60er Jahren – vor allem für den DDR-Markt und Exquisit-Läden, aber auch unter anderem für die Marke Triumph. Exquisit-Läden waren Geschäfte mit hochwertigen und teuren Produkten aus der Bekleidungsbranche.
Es standen jedoch nicht nur Büstenhalter auf der Fertigungsliste.  Schon der ursprüngliche Name „Karl Spranger – Maßkorsett- und Wäschefabrik“ wies auf die umfangreiche Produktpalette wie z.B. Hemdchen, Miederhosen, Korsetts für die ältere und Korsagen für die jüngere Kundin hin.

blogbeitrag_jennyMeine Tante erzählte mir, dass die BHs in ca. 30 Arbeitsgängen zusammengesetzt wurden. Ihre Abteilung im Zuschnitt hatte an vielen Tagen bis zu 1000 Teile zuzuschneiden. Die Entwürfe wurden direkt in der Firma aufgezeichnet und konnten aufgrund der eigenen Schnittmusterschablonen in allen BH-Größen schnell und passgenau angefertigt werden. Dies war ein großer Vorteil, denn so war die Firma in der Lage, spezielle Größen auf Kundenwunsch ohne weiteres zu produzieren. Die deutsche Marke Ulla Dessous scheint diese Vorgehensweise auch heute noch teilweise zu praktizieren. Zu den Anfangszeiten meiner Tante Ende der 50er Jahre wurden vor allem B und C-Cups genäht. Später kamen Größen wie AA, D, DD/E und F in serieller Anfertigung hinzu. Verwendet wurden meistens Seiden- und Taftstoffe, Spitzen sowie Jacquard**. Die Verschlüsse waren vorrangig aus Kunststoff – nicht wie heute aus Metall.
Entgegen meiner Vorstellung, dass nur schwarze, weiße und hautfarbene Miederwaren gefertigt wurden, erfuhr ich, dass durchaus die ganze Farbpalette bei den Stoffen zum Einsatz kam.

Vierzig Jahre war meine Tante bei Karl Spranger. Auf die Frage, ob und was sich verändert hat, antworte sie, dass heute alles freizügiger und knapper gehalten ist und das heute mit anderen Materialien genäht wird. Wurden „Mieder“ früher vor allem aus praktischen Erwägungen getragen, kommt heute definitiv noch eine andere Facette hinzu…

Jenny vom Kundenservice

* Quelle: Sächsische Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden
** Bei Jacquardstoffen werden die Muster mit eingewebt.

 



 

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